Bibliothek

Newsletter

PDF Abonieren

YouTube-Kanal

Aktuelle Veranstaltungen und Calls

27. Januar 2020 08:00 - 16. Februar 2020 23:59
CfP - WorkshopsCall for Papers, Workshop: The Fantastic Afterlives of the Holocaust
Ghosts, apparitions, phantoms, demons, monsters, and miracles all inhabit postwar references to the Holocaust. They constitute recurrent, though often neglected, tropes in testimonies and memoirs of survivors, but also increasingly come to the fore in contemporary engagements with the...Weiterlesen...
30. Januar 2020 18:30
BuchpräsentationKateřina Čapková / Hillel J. Kieval (Hg.), Zwischen Prag und Nikolsburg. Jüdisches Leben in den böhmischen Ländern. Göttingen 2020.
Kafka, Golem und allgemein das jüdische Prag sind es, an die viele Menschen denken, wenn die Rede auf die jüdische Geschichte Böhmens und Mährens kommt. Nur zu gern vergisst man, dass es auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik seit dem Mittelalter ein blühendes Gemeind...Weiterlesen...
31. Januar 2020 13:00
WorkshopWhat's News at Fortunoff Archive?
The Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies has been recording testimonies of survivors, witnesses, and bystanders of the Holocaust since 1979, when the project started as a grassroots effort in New Haven. It currently holds more than 4,400 testimonies, comprising more than ...Weiterlesen...
02. Februar 2020 15:30
Intervention„Ich bin einer der 500 von 150.000“. Simon Wiesenthal im Interview
Elf Stunden an sechs Nachmittagen Ein alter Mann erzählt, spricht in die Kamera: vor ihm ein Tisch, hinter ihm ein Bücherregal. Sowohl er als auch das Aufnahmegerät werden sich Stunden lang kaum bewegen. Aus dem Off stellt jemand hin und wieder Fragen, greift aber nur selten in ...Weiterlesen...
19. Februar 2020 18:30
VWI Visual„Der Prinz Und Der Dybbuk“, Regie: Elwira Niewiera / Piotr Rosołowski 82 Min, OmdU
Wer war Mosche Waks, der 1904 als Sohn eines armen jüdischen Schmiedes in der Ukraine geboren wurde und als Prinz Michał Waszyński 1965 in Spanien starb? War er ein Wunderkind des Kinos, ein raffinierter Betrüger oder ein Mann, der filmische Illusion und Realität nicht auseinander...Weiterlesen...

Senior Fellowships 2020/2021 des Wiesenthal Institutes für Holocaust-Studien (VWI)

 

Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) gibt die Ausschreibung seiner Senior Fellowships für das Studienjahr 2020/2021 bekannt.

 

Das VWI ist eine noch zu Lebzeiten von Simon Wiesenthal initiierte und konzipierte, vom österreichi-schen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, dem Bundeskanzleramt sowie von der Stadt Wien geförderte wissenschaftliche Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation von Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und Holocaust. Schwerpunkt der Forschungsarbeit ist der Holocaust in seinem europäischen Zusammenhang, einschließlich seiner Vor- und seiner Nachgeschichte.

 

Als Senior Fellow können sich herausragend qualifizierte, promovierte Forscher und Forscherinnen bewerben, die sowohl wissenschaftliche Publikationen vorgelegt haben als auch in universitärem oder wissenschaftlich-institutionellem Bereich über langjährige Erfahrungen verfügen. Sie erhalten am Institut die Möglichkeit, frei einem selbst gewählten Forschungsvorhaben im Bereich der Holocaust-Forschung nachzugehen. Ziel des Aufenthaltes am VWI ist über die Forschungstätigkeit hinausgehend die Kommunikation und wissenschaftliche Interaktion mit den anderen Fellows am Institut. Es wird erwartet, dass Senior Fellows die wissenschaftliche Arbeit des Instituts fördern und die Junior Fellows bei ihren Forschungsvorhaben beratend unterstützen. Darüber hinaus ist die Einbindung der Senior Fellows in das Wiener Forschungsumfeld, z. B. durch Gastseminare und -vorträge an akademischen Einrichtungen erwünscht. Die Senior Fellows sind verpflichtet, regelmäßig am VWI anwesend zu sein.

 

Projekte der Senior Fellows behandeln die Forschungsthematik des VWI; Fragestellung, Verfahren und Methoden stehen frei. Die Bestände des institutseigenen Archivs stehen ihnen zur Verfügung. Ihre Einbeziehung in die Forschungsarbeit ist erwünscht. Ergebnisse werden im Kreis der Fellows diskutiert und in regelmäßigen Abständen einem größeren Publikum präsentiert. Am Ende des Aufenthalts ist ein Artikel vorzulegen, der begutachtet und im E-Journal des VWI, S:I.M.O.N. – Shoah: Intervention. Methods. Documentation. veröffentlicht wird.

 

Die Dauer der Senior Fellowships beträgt mindestens sechs, maximal elf Monate. Die Senior Fellows erhalten am VWI einen Arbeitsplatz mit EDV- und Internet-Zugang. Die Höhe des Stipendiums beträgt € 2.500.- monatlich. Zusätzlich trägt das VWI die Unterkunftskosten während des Aufenthalts (bis € 700.-) sowie die Kosten der An- und Abreise (Economy bzw. Bahnfahrt 2. Klasse). Für Recherchen außerhalb Wiens oder eventuell anfallende Kopierkosten außer Haus steht ein einmaliges Budget in der Höhe von weiteren € 500.- zur Verfügung.

 

Die Auswahl erfolgt durch den Internationalen Wissenschaftlichen Beirat des VWI.

 

Eine Bewerbung ist mit folgenden Unterlagen in Deutsch oder Englisch möglich:

 

  • einem ausgefüllten Antragsformular,
  • einer ausführlichen Beschreibung des Forschungsvorhabens, die die Ziele des Projekts enthält, den Forschungsstand und methodische Überlegungen (maximal 12.000 Anschläge)
  • einer Publikationsliste und einem Lebenslauf mit Foto (fakultativ).

 

Die Anträge sind bis 12. Jänner 2019 in elektronischer Form (in einem PDF-Dokument zusammen-gefasst) mit dem Betreff „VWI-Research Fellowships 2020/2021 “ an

 

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

 

zu richten. Sollten Sie keine Bestätigung über den Erhalt Ihres Antrages erhalten, ersuchen wir Sie, uns zu kontaktieren.

 

Die zukünftigen Senior Fellows werden angehalten, zu versuchen, einen Teil ihrer Fellowships über ein Stipendium Stipendienstiftung der Republik Österreich zu finanzieren, und nach der Benachrichtigung über die Zuerkennung des Fellowships einen diesbezüglichen Antrag zu stellen.

 

Edith Raim

Senior Fellow (10/2016-03/2017)

 

Die Ahndung von NS-Verbrechen im anderen Deutschland. Die Sowjetische Besatzungszone und die NS-Strafverfolgung, 1945–1949

 

RAIM01Die Studie versteht sich als rechtshistorische Grundlagenarbeit zur justiziellen Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Ostdeutschland von 1945 bis 1990. Neben dem Wiederaufbau der Justizverwaltung und den strafrechtlichen Grundlagen (Kontrollratsdirektive 38, Kontrollratsgesetz Nr. 10, Strafgesetzbuch der DDR) steht aber die Analyse der gesamten ostdeutschen Ahndungsbestrebungen im Mittelpunkt. Nicht nur konnte durch langjährige Archivarbeit die Zahl der ostdeutschen Verfahren gegenüber früheren Studien deutlich nach oben korrigiert werden, durch die Aktenautopsie konnte auch die Abkehr von rechtsstaatlichen Prinzipien im Einzelfall deutlich gemacht werden. Untersucht wird weiters, welche Funktion ‚Transitional Justice‘ im Vergleich etwa mit Westdeutschland oder Österreich im sozialistischen Staat einnehmen sollte. Ein besonderer Fokus wird auf die weiblichen Angeklagten gelegt, deren Anteil mit in Ostdeutschland mit etwa zwölf Prozent substanziell höher war als im Westen, wo er 5,5 Porzent ausmachte.

 

Edith Raim studierte Geschichte und Germanistik in München und Princeton und arbeitete u.a. als DAAD-Lektorin in Großbritannien, am Haus der Geschichte in Bonn und am Institut für Zeitgeschichte in München. Sie ist Lehrbeauftragte für Neuere und Neueste Geschichte in Augsburg und hat verschiedene Publikationen zur NS-Geschichte und zur Nachkriegszeit vorgelegt. Jüngste Publikation: Nazi Crimes Against Jews and German Post-War Justice. The West German Judicial System During Allied Occupation (1945–1949), Berlin 2014.

Paul Weindling
Senior Fellow (12/2015 - 03/2016)


Medizinwissenschaften in Österreich unter dem NS-Regime. Zwangsemigration und medizinische Experimente

 

Paul-WeindlingDas Forschungsvorhaben besteht aus zwei Elementen:

 

  1.    1. die Verfolgung und Emigration der Wiener jüdischen Ärzte und Ärztinnen, und
  2.    2. die österreichischen Opfer medizinischer Experimente und Zwangsforschung.

 

Beide werden versuchen, österreichische Dokumente auszuwerten, mit dem Ziel, eine biografische Datenbank der Opfer sowohl in einem NS- als auch europäischen Kontext zu entwickeln. Die österreichische Umsetzung der NS-Verfolgung ist hier von besonderem Interesse. Im medizinischen Bereich wurden unmittelbar nach dem ‚Anschluß’ die Maßnahmen des NS-Regimes mit Entlassungen im Bereich der Universitäten und Krankenhäuser, der Kündigung von Versicherungen und der Aberkennung akademischer Titel sehr rasch durchgesetzt. Diese gegen Mediziner gerichteten Schritte waren gleichzeitig vom Terror der Straße begleitet, von Vandalismus, Enteignungen, Boykotten, Razzien und ersten Transporten in die KZs. Der relativ hohe Anteil von Jüdinnen und Juden in der Wiener Ärztekammer brachte auch mit sich, dass die Auswirkungen auf die jüdische Gemeinde ebenso folgenschwer waren. Hier werden die Unterlagen aus dem Archiv der IKG ermöglichen, die Strategien und Antworten auf die Verfolgungen, die Vorbereitungen auf die Emigration näher zu untersuchen.

 

Aber ebenso sind die österreichischen Erfahrungen mit NS-Experimenten im medizinischen Bereich von immenser Bedeutung, war doch eine große Zahl von Klinikern in solchen medizinischen Zwangsversuchen involviert. Hier sind nicht nur die Tötungen in den Kinderfachabteilungen und psychiatrischen Kliniken von Bedeutung, sondern auch die Gehirnforschung: Hier werden die Dokumente und Unterlagen von österreichischen Überlebenden dieser Experimente von äußerster Wichtigkeit sein.


Paul Julian Weindling ist Research Professor für Medizingeschichte an der Oxford Brookes University. Seine Forschungsinteressen liegen im Bereich der Geschichte der Eugenik und der Sozialfürsorge, NS-Zwangsforschung und -Experimenten sowie deren Opfern, bzw. der Geschichte des internationalen Gesundheitswesen. Seine jüngste Publikation ist Victims and Survivors of Nazi Human Experiments: Science and Suffering in the Holocaust.

Judit Molnár
Senior Fellow (10/2015 - 03/2016)


Die Rolle der königlich-ungarischen Gendarmerie im Holocaust und ihre Bestrafung nach dem Zweiten Weltkrieg


Molnar

Die königliche Gendarmerie war zwischen 1881 und 1945 eine der wichtigsten staatlichen Einrichtungen Ungarns. Ihre Aufgabe war es, für Recht und Ordnung in der ungarischen Provinz zu sorgen, Bauernrebellionen und sozialistische Agitation in den Dörfern zu verhindern und 1944 die Deportationen der ungarischen Juden nach Auschwitz abzuwickeln. Im Rahmen dieses Projekts werden Tausende Dokumente zu dieser Behörde gelesen, klassifiziert sowie analysiert, schließlich in einer umfassenden Monographie zusammengefasst werden. Eine der Fragen, die dabei beantwortet werden soll, ist warum Adolf Eichmann und seine ‚Spezialisten’ 1944 gerade auf die ungarische Gendarmerie zählten, auf dieses Exekutivorgan setzten, als die ungarischen Juden ihres Eigentums beraubt, in Ghettos und Lager getrieben und schließlich deportiert wurden. Die Grundfrage des Projekts ist daher das Problem der Straftat, in anderen Worten der Deportation und die Rolle, die die Gendarmerie im Holocaust spielte.

 

Die andere Grundfrage, die erörtert werden wird, ist das Problem der Bestrafung, der Verantwortung, der Verantwortlichkeit. Was waren die Beweggründe für die strafrechtliche Belangung der Gendarmen nach dem Zweiten Weltkrieg, das Strafmaß und wie wurde dieses umgesetzt und in der Praxis angewandt?

 

Judit Molnár, Dr. habil., Historikerin, ist seit 1998 Assoz. Professorin an der Universität Szeged. Seit 1994 ist sie zudem stellvertretende Leiterin der ungarischen Forschungsgruppe in den Archiven von Yad Vashem. Sie kuratierte die erste ungarische Dauerausstellung zum Holocaust und war zwischen 2009 und 2011 leitende historische Beraterin des HDKE, des Budapester Holocaust Gedenkzentrums. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Jüdinnen und Juden in Ungarn im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt auf die ungarisch-jüdische Elite im Zweiten Weltkrieg bzw. die Rolle der königlich-ungarischen Gendarmerie im Holocaust.

Judith Keilbach
Senior Fellow (04/2016 - 08/2016)


Die TV-Übertragung des Eichmann-Prozesses. Holocausterinnerung und die Produktion eines der ersten transnationalen Medienereignisse


Keilbach-1Der Prozess gegen Adolf Eichmann war eines der ersten transnationalen Fernsehereignisse. Als der Prozess am 11. April 1961 begann, kamen Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt, um über seinen Verlauf zu informieren. Nicht nur die gedruckte Presse und das Radio berichteten über das Gerichtsverfahren, es wurde auch fürs Fernsehen aufgenommen, die Videobänder per Flugzeug zu Sendern in 38 Ländern versandt, wo man die Aufnahmen für Nachrichtensendungen oder Sonderprogramme benutzte. Den Eichmann-Prozess als ein frühes globales Medienevent verstehend, fokussiert das Buchprojekt auf die technischen und institutionellen Voraussetzungen, die eine TV-Ausstrahlung überhaupt erst ermöglichten. Es diskutiert den historischen und politischen Kontext des Gerichtsverfahrens, sondiert die transnationale Zusammenarbeit, die Verhandlungen und Auseinandersetzungen vor und während der Aufnahmen, vergleicht die Berichterstattung in den einzelnen Ländern. Über die Analyse einer ganz spezifischen Medienkonstellation hinausgehend, wird das Projekt auch einen Einblick in die Produktion eines globalen Medienereignisses ermöglichen, dabei aber auch den Kalten Krieg bzw. die sich zu dieser Zeit rapid verändernde globale Medienlandschaft ansprechen.

 

Judith Keilbach ist Assistenzprofessorin für Fernsehwissenschaft an der Abteilung für Medien und Kultur der Universität Utrecht. Sie veröffentlichte Beiträge zu Holocaust-Zeugenaussagen, zur fotografischen Darstellung des Holocaust sowie 2008 die Monographie Geschichtsbilder und Zeitzeugen. 2013 war sie Leibniz Summer Fellow am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam, 2014 Fellow am Netherlands Institute for Advanced Study (NIAS).

Ferenc Erős
Senior Fellow (04/2016 - 08/2016)


Von der Kriegsneurose zum Holocausttrauma


Das Forschungsprojekt ist eine historisch-kritische Analyse des Beitrages der Psychoanalyse und anderer ‚Psychowissenschaften’ zu unserem gegenwärtigen Verständnis des Holocausttraumas. Im Fokus stehen dabei:

 

  • die Anwendung psychiatrischen Wissens und psychiatrischer Behandlungsmethoden während des Ersten Weltkriegs,
  • die psychoanalytische Konzeption der Kriegsneurose,
  • die folgenden Fachdebatten über die Natur individueller und kollektiver Traumata,
  • die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte Schwerpunktsetzung auf die Täter und nicht auf die Opfer,
  • die intergenerationellen Auswirkungen des Holocausttraumas, Traumaforschung und das Problem der Post-memory.

 

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschung wird zudem auf den unterschiedlichen ungarischen Konzepten bezüglich des Holocausttraumas in den letzten Jahrzehnten liegen: Ausgangsthese ist dabei, dass es – abgesehen von den Bemühungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit – in Ungarn keinerlei Interesse bezüglich der psychischen Probleme der Überlebenden, Kinder und Erwachsene gleichermaßen, gegeben hat.

 

ErosFerenc Erős studierte Psychologie und Literatur an der ELTE Budapest, nach dem Diplomabschluss 1969 promovierte er 1986 und ist seit 2002 Dr. habil. der Budapester Akademie der Wissenschaften. Zur Zeit ist er Prof. emerit. der Philosophischen Fakultät der Universität Pécs, wo er seit 1996 ein Doktorandinnen- und Doktorandenprogramm für psychoanalytische Studien leitet. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte umfassen Fragen der jüdischen Identität, die Sozial- und Kulturgeschichte der Psychoanalyse in Mitteleuropa, Fragen der psychoanalytischen Theorie und deren Anwendung auf soziale Fragen, Probleme von Trauma und kultureller Erinnerung. Er ist der Verfasser zahlreicher Monographien und Beiträge in den genannten Disziplinen in Englisch, Ungarisch, Deutsch und Französisch.

 

Johannes Dieter-Steinert

Senior Fellow (03/2014 - 08/2015)

 

Zwangsarbeit jüdischer Kinder

 

Steinert web

Eine beträchtliche Anzahl von jüdischen Kindern wurde während des Zweiten Weltkriegs Opfer des NS-Zwangsarbeitssystems. Sie wurden in Deutschland und im deutsch besetzten Osteuropa gezwungen in Ghettos, Konzentrations- und Arbeitslagern, in der Industrie und in der Landwirtschaft zu arbeiten. Wehrmacht und SS setzten Kinder in erster Linie bei Bauarbeiten an Befestigungsanlagen, Straßen und Flugfeldern ein. Dieses Projekt stellt die erste umfassende Studie zur Kinderzwangsarbeit in NS-Deutschland und im besetzten Osteuropa dar, indem es sich auf eine breite Auswahl von Archivdokumenten und Aussagen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen stützt. Dadurch, dass die Studie Alter und Gender als zentrale Kategorien benutzen wird, wird die Forschungsarbeit den historischen Hintergrund der jüdischen Kinderzwangsarbeit erkennen und sie in der Geschichte des Holocaust zwischen 1938 und 1945 neu verorten. Dabei werden die Arbeits- und Lebensumstände der Kinder, ihre Behandlung sowie ihr Kontakt sowohl zur deutschen Bevölkerung als auch zu anderen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern näher beleuchtet. Schließlich wird das Projekt die Erfahrung der Befreiung, wie sie in den veröffentlichten und unveröffentlichten Testimonies dargestellt wird, zur Diskussion stellen.

 

Johannes-Dieter Steiner ist Professor for Modern European History and Migration an der University of Wolverhampton, seine Forschungsschwerpunkte umfassen: Zwangsmigration, Zwangsarbeit so wie Überlebende der NS-Verfolgung. Jüngste Veröffentlichung Deportation und Zwangsarbeit. Polnische und sowjetische Kinder im nationalsozialistischen Deutschland und im besetzten Osteuropa 1939–1945, Essen 2013.

Natalia Aleksiun

Senior Fellow (03/2014 – 08/2014)

 

"Christliche Leichen für Christen": Die Kadaver-Affäre, der Antisemitismus und die Ausbildung jüdischer Ärzte im Europa der Zwischenkriegszeit

 

ALEKSIUNIn meiner Arbeit widme ich mich dem Konflikt um die sogenannte Kadaver-Affäre an medizinischen Abteilungen ost- und mitteleuropäischer Universitäten in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Bereits 1921 hatten christliche Studentenverbindungen in Polen von den jüdischen Gemeinden der Umgebung die Bereitstellung von Leichen in proportionaler Anzahl zu den jüdischen Medizinstudenten und -Studentinnen verlangt. Sie drohten, ihre jüdischen Kollegen von der Teilnahme an Anatomievorlesungen und Laborunterricht abzuhalten, solange dies nicht geschehe. Die rechtsgerichteten studentischen Aktivisten argumentieren, dass die jüdische Gemeinde im Angesicht des permanenten Mangels von Körperspenden ihrem Teil der Verantwortung, Leichen zur Verfügung zu stellen, nicht nachkäme. Der Konflikt im und um den Sektionssaal vereinte mehrere Argumente über Wissenschaft und Fortschritt, die gerechte Aufteilung von Rechten und Verpflichtungen und der angeblichen jüdischen Wahrnehmung einer religiösen und rassischen Überlegenheit. Letztendlich lag die tiefere Bedeutung der Kadaver-Affaire in dem Wunsch, Juden und nicht-Juden zu trennen. Die Affaire öffnet auch ein Sichtfenster auf die politischen Strategien, derer sich die verschiedenen Teilnehmer der jüdischen Gemeinden bedienten, wenn sie mit Bedrängnis und Verfolgung konfrontiert waren.

 

 

Natalia Aleksiun ist außerordentliche Professorin Moderner Jüdischer Geschichte am Touro College, Graduate School of Jewish Studies, New York und wissenschaftliche Mitarbeiterin in Moderner Geschichte am Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Zu ihren Publikationen zählt 'Where to? The Zionist Movement in Poland, 1944-1950 (auf polnisch) und sie hat Band 20 von Polin (über das Gedenken an den Holocaust) mitherausgegeben. Ihre Artikel sind in Yad Vashem Studies, Polish Review, Dapim, East European Jewish Affairs, Studies in Contemporary Jewry, Polin, Gal Ed, East European Societies and Politics und German History erschienen.

 

Sławomir Kapralski

Senior Fellow (10/2013 – 08/2014)

 

Das Holocaustgedenken als Referenz und Rahmen und die Roma/Sinti Bewegung in Österreich und Polen

 

KAPRALSKIIn meiner Forschungstätigkeit rekonstruiere ich wie das Schweigen über das Schicksal der Roma und Sinti während des Zweiten Weltkrieges in Österreich und Polen gebrochen wurde und vergleiche die Mechanismen der Formen des Gedenkens durch die Roma an den Völkermord in beiden Ländern. Insbesondere interessiere ich mich dafür, welche Rolle die Verurteilung und Verfolgung der nationalsozialistischen Verbrechen und das Wiedergutmachungsverfahren spielen, für die Beziehungen zwischen Roma/Sinti und jüdischen Organisationen, für den Stellenwert der politischen Mobilisation der Roma/Sinti, für die Unterschiede zwischen den öffentlichen "Erinnerungskulturen" in Österreich und Polen, und für die Anfänge des organisierten Gedenken der Roma an die nationalsozialistische Verfolgung. Besonderes Augenmerk gilt der wieder erwachten Bedeutung von Gedenken in der Roma/Sinti Bewegung und ihrem Kampf gegen "Antiziganismus" und für den verbesserten sozio-ökonomischen Status der Roma. Letztendlich untersuche ich die Rolle der Globalisierung des Holocaust-Diskures und dessen Funktion als "Grunderzählung" einer pan-Roma Identität, um herauszufinden ob eine solche Identität lebbar ist, oder ob die Gruppe der Roma weiterhin als komplexes Netzwerk verschiedener Identitätsprojekte bestehen bleiben wird.

 

Sławomir Kapralski, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut der Philosophie und Soziologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau. Studium zum Doktor der Soziologie an der Jagiellonischen Universität in Krakau. Forschungstätigkeit zu den Themen Nationalismus, Ethnizität und Identität, kollektives Gedächtnis, Antisemitismus und der Holocaust, sowie die Roma Gemeinschaften in Europa. Er ist Mitglied der Gypsy Lore Society, der European Association for Holocaust Studies, und des European Academic Network on Romani Studies.

 

Patrice G. Poutrus
Senior Fellow (10/2012 – 09/2013)


Flüchtlingsberichte. Eine Studie zur massenmedialen Repräsentation von Migration in der Metropole Wien, 1919-1933/34

 

PoutrusAm Schnittpunkt von österreichischer Migrations-, Metropolen- und Mediengeschichte angesiedelt, untersucht das Projekt, wie in der Wiener Öffentlichkeit das Thema Migration verhandelt wurde. Gefragt wird, in welcher Art sich die massenmedialen Repräsentationen von Migration durch politische und sozio-ökonomische Veränderungen wandelten, welchen Migrationsphänomenen besondere öffentliche Bedeutung zugemessen wurde, welche Verbindungen zwischen den Entwicklungen gezogen wurde und schließlich, wie und von welchen Tageszeitungen dieses bewertet wurde und ob bzw. welchen Anteil Migrantinnen und Migranten selbst an diesen Repräsentationen hatten bzw. haben konnten. Mit der dazu gehörenden kulturhistorischen Perspektive wird diese Untersuchung zudem eine Verbindung zwischen den klassischen sozial- und strukturgeschichtlich ausgerichteten Arbeiten zur europäischen Migrationsgeschichte und den Forschungen zur Erinnerungsgeschichte von Migration herstellen.

 

Patrice G. Poutrus, 1996 bis 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam, 2000 Doktorat am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Europa Universität Viadrina, Frankfurt (Oder), 2001 AICGS/DAAD Stipendiat am Deutschen Historischen Institut in Washington, D.C., danach wieder wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZZF. Anschließend daran und bis 2011 mit einem Forschungsauftrag am internationalen Forschungsverbund zur Erforschung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft unter der Leitung des Lehrstuhls für Zeitgeschichte der Ruhr-Universität Bochum beteiligt. Er unterrichtet an der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg europäische und deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.

 

Gerhard Baumgartner

Senior Fellow (10/2012 – 09/2013)

 

Das ‘Zigeunerlager Lackenbach’ – eine Monographie

 

BaumgartnerDas ‘Zigeunerlager Lackenbach’ – eine der wichtigsten Stätten der nationalsozialistischen Verfolgung und Ermordung deutscher und österreichischer Roma und Sinti – ist eines der letzten großen Lager der NS-Zeit, über das bislang keine zusammenfassende Monografie vorliegt. Im Zuge der großen Forschungsprojekte der 1990er-Jahre zeigte sich, dass sich wichtige Quellen für eine Geschichte des Lagers in verschiedenen österreichischen Regional- und Lokalarchiven befinden, die mangels einer systematischen Suche unbekannt geblieben waren. Mithilfe dieser neuen Quellen, der Akten der nach Kriegsende durchgeführten Verfahren gegen Mitglieder der Wachmannschaften sowie den Augenzeugenberichten von Überlebenden, die in Opferfürsorgeakten aufgefunden werden konnten, sollen nun die Lücken der Lagergeschichte geschlossen werden, darunter die Entstehungsgeschichte des Lagers, die vorangegangenen Diskussionen oder die Intentionen der daran beteiligten Ämter. Gleichzeitig soll der Versuch unternommen werden, eine möglichst vollständige Liste der rund 4.000 Gefangenen zu erstellen. Ziel dabei ist es auch, das Lager in einen größeren Zusammenhang mit anderen Anhalte- und Zwangsarbeitslagern für Roma und Sinti sowie dem KZ-Lagersystem insgesamt zu stellen.

 

Gerhard Baumgartner, Historiker und Journalist, Leiter der internationalen Forschungsvereines Kanzlei in Wien, Mitherausgeber der historisch-theoretischen Zeitschrift Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, ehemaliger Projektleiter der Österreichischen Historikerkommission und der ‘Namensdatenbank der Roma und Sinti unter den österreichischen Holocaustopfern’; verantwortlicher Sendungsredakteur für Fernsehprogramme des ORF Landestudios Burgenland. Er war Lehrbeauftragter an den Universitäten in Wien, Salzburg, Klagenfurt, Budapest und Tel Aviv und wurde 2003 mit der Comenius Medaille für Europäische Bildungsmedien ausgezeichnet und ist Lehrbeauftragter an der FH-Joanneum in Graz/Österreich.

 

Jänner 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31 1 2

 

Aktuelle Publikationen

 

Voelkermord zur Prime Time

 

Hartheim

 

Grossmann

 

 

Weitere Publikationen


Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) wird gefördert von:

 

bmbwf 179

 

wienkultur 179

 

  BKA 179