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Simon Wiesenthal Lectures

 

Die regelmäßig, alle sechs bis acht Wochen stattfindende Vortragsreihe, setzt sich zum Ziel, mithilfe renommierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die aktuellsten Forschungsergebnisse zum Holocaust sowohl einem Fach- als auch einem breiteren Publikum zu präsentieren – und dabei das beeindruckende Spektrum dieser Disziplin, die zahlreichen Frage- und Problemstellungen von der empirisch-analytischen Historiografie bis zu kulturwissenschaftlichen Themen, jüngere Forscherinnen und Forscher ebenso wie bereits arrivierte, zu berücksichtigen.

 

Die Vortragsreihe der Simon Wiesenthal Lectures hat sich seit 2007, noch in der Aufbauphase des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien (VWI), damals in Zusammenarbeit mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, als tragendes Element der Vermittlung neuerer wissenschaftlicher Ergebnisse im Bereich der Holocaustforschung bzw. der Holocaust- und Genozid-Studien zum Flaggschiff der Vermittlungstätigkeit des VWI entwickelt.

 

Über ein Jahrzehnt bot das Österreichischen Staatsarchiv im Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs großzügigerweise den Simon Wiesenthal Lectures Obhut. Während den herausfordernden Jahren der Pandemie wurden die Lectures online abgehalten. Ab Herbst 2022, um weitere Publikumsgruppen zu erschließen, konnte mit dem Wien Museum eine neue Kooperationspartner gewonnen werden. Bis zur Wiedereröffnung des Hauptstandortes am Karlsplatz werden die SWL im MUSA, Felderstraße 6-8, neben dem Wiener Rathaus stattfinden.

 

 

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Simon Wiesenthal Lecture
Gustavo Corni: Die "guten Italiener" und die Judenverfolgung des Faschismus. Debatten und Revisionen
   

Donnerstag, 3. Oktober 2013, 18:30 - 20:00

Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Minoritenplatz 1, 1010 Wien

 

 Das Bild des „guten Italieners“ (und des „bösen Deutschen“) spielte in der italienischen Öffentlichkeit und Historiographie bei der Legitimierung der Demokratie nach 1945 eine zentrale Rolle. Die Verharmlosung wesentlicher Merkmale der faschistischen Diktatur bezog sich in erster Linie auf das Verhalten der italienischen Streitkräfte im Weltkrieg sowie allgemein auf das Verhältnis zwischen Faschismus und Nationalsozialismus, betraf aber auch die Frage der Verstrickung Italiens in den Massenmord an den Jüdinnen und Juden Europas.

Der einflussreiche Historiker Renzo De Felice versuchte in den 1970er-Jahren den italienischen Faschismus aus dem „sengenden Kegel des Holocaust“ herauszuhalten. Seine Betonung des Unterschieds von Nationalsozialismus und Faschismus blieb im italienischen Diskurs lange hegemonial.

Neuere Studien hingegen zeigen ein anderes Bild und heben zwei Aspekte hervor: Einerseits die weitgehende Verbreitung antisemitischer, durchaus endogener Strömungen im italienischen Faschismus; andererseits die unmittelbare Teilnahme von italienischen Institutionen und ItalienerInnen und an der Judenvernichtung.

Gustavo Corni, geboren 1952, ist – nach Lehrtätigkeiten in Bologna, Venedig, Chieti und Triest – Professor für Neueste Geschichte an der Universität Trient und ist Spezialist für die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, sowie der vergleichenden Geschichte der Diktaturen und der Sozialgeschichte beider Weltkriege. Nach Fellowships in Oxford und Freiburg, 1995 Gastprofessur an der Universität Wien. Er ist Verfasser zahlreicher Monographien und Aufsätze, darunter: Raccontare la guerra. La memoria organizzata (Mailand, 2012), Fascismo. Condanne e revisioni (Rom, 2011) und Mitautor von: People on the move. Forced population movements during the Second World War and its aftermath (Oxford, 2009).

 

Einladung Corni klein

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