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Veranstaltungen

 

 

Mit seinen wissenschaftlichen Veranstaltungen versucht das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) die neuesten Ergebnisse im Bereich der Holocaust-, Genozid- und Rassismusforschung einem breiteren ebenso wie einem ausgewiesenen Fachpublikum regelmäßig näher zu bringen. Die unterschiedlichen Formate dieser über einen engen Wissenschaftsbegriff hinausweisenden Veranstaltungen, die von in einem kleinen Rahmen gehaltenen gehaltenen Vorträgen, den Simon Wiesenthal Lectures über für ein Fachpublikum interessante Workshops bis zu großen internationalen Tagungen, den Simon Wiesenthal Conferences reichen, spiegeln das breite Tätigkeitsfeld des Instituts wider.

 

Präsentationen von ausgewählten Neuerscheinungen zu den einschlägigen Themen des Instituts, Interventionen im öffentlichen Raum, die Filmreihe VWI Visuals und die Fachkolloquien der Fellows runden die Palette der Veranstaltungen des Instituts weiter ab.

 

 

 

Simon Wiesenthal Lecture
Nike Thurn: „Falsche Juden“ in der deutschsprachigen Literatur. Zur Variation und Beständigkeit eines literarischen Motivs
   

Donnerstag, 14. Dezember 2017, 18:30 - 20:00

Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs 1010 Wien, Minoritenplatz 1

 

„Warum gibt sich jemand als Jude aus? Hat man nicht genug andere Schwierigkeiten, ohne auch noch Jude sein zu wollen?“ Das Unverständnis in der Frage des amerikanischen Literaturwissenschaftlers Sander L. Gilman ist nachvollziehbar – und doch finden sich in der deutschsprachigen Literatur zahlreiche Figuren, die eine jüdische Identität fingieren oder von anderen fälschlicherweise als Juden gehalten werden, die irrtümlich davon ausgehen, Juden zu sein, oder von anderen zu solchen ‚gemacht‘ werden. Das wiederholte Auftauchen solcher Figuren – über Jahrhunderte und historische Zäsuren hinweg – wirft Fragen auf: Was verraten sie über (antisemitische und philosemitische) Zuschreibungsprozesse, was darüber, was jeweils für ‚typisch jüdisch‘ gehalten wird? Welche Rolle spielen sie in Inszenierungen von Tätern und Opfern, von Macht und Bedrohung, Prestige und Stigma? Wozu dient das Spiel mit Identitäten, Rollen und Zuschreibungen vor und wozu nach 1945? Werden Stereotype ‚des Juden‘ durch diese ‚falschen Juden‘ fortgeschrieben – oder gelingt es hierdurch im Gegenteil, sie zu unterlaufen? Anhand ausgewählter literarischer Beispiele zeigt Nike Thurn in ihrem Vortrag die Bandbreite dieses literarischen Motivs im Laufe und Wandel der Zeit.


Nike Thurn ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Sie forscht und lehrt an der Universität Bielefeld u.a. zu Literarischem Antisemitismus. Ihr Buch „Falsche Juden“. Performative jüdische Identitäten in der deutschsprachigen Literatur von Lessing bis Walser ist 2015 im Wallstein Verlag erschienen.

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