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An jener Krümmung des 1862 benannten Rabensteigs gelegen, der der Umwallung des Römerkastells Vindobona sowie der mittelalterlichen Burgmauer folgt, ist das VWI-Institutsgebäude auch stadthistorisch und archäologisch bedeutend. Wenige Wiener Häuser weisen noch so viel Baubestand und wichtige Details aus Mittelalter und Früher Neuzeit auf wie das Haus Rabensteig Nummer 3. Noch vor dem Umbaubeginn ermittelten der Bauhistoriker Paul Mitchell, Elisabeth Hudritsch vom Bundesdenkmalamt, Restaurator Hans Hoffmann sowie Constance Litschauer von der Stadtarchäologie Wien Fakten zur Geschichte des Objekts, begleiteten danach die Sanierung wissenschaftlich.

 

Der älteste mittelalterliche Befund – eine Hangmauer – stammt aus dem 12. Jahrhundert. Bis in die Zeit um 1300 entstand auf dem heutige Areal ein mehrgliedriger Steinbau, der drei Kellerräume und ein massives Obergeschoß samt ausgeprägtes Spitzbogenportal besaß. In den nächsten Jahrhunderten wurde das Gebäude zum Teil durch die einflussreiche bürgerliche Familie Pempflinger weiter ausgebaut. Schon auf den auf erste Vermessungen beruhenden Stadtplan von Bonifaz Wolmuet 1547 ist das Gebäude klar zu erkennen: Der Baumeister zeichnet zudem für den erhalten gebliebenen Einstützenraum mit Zentralpfeiler im Nordwesten des Grundstücks verantwortlich, der als Salzhandelsgewölbe geschaffen wurde.

 

Später entstanden unter anderem die damals modernen Gewölbe, eine leider inzwischen zerstörte Säulenhalle und ein Pfeiler aus vermutlich römischem Material im Kellergeschoss. Bei den Arbeiten wurden zahlreiche gefasste und profilierte Holzbalken freigelegt, die aus dem 14., 16. und 17. Jahrhundert stammen und in Wien eine Rarität darstellen.

 

Das heutige Haus entstand erst in der josephinischen Ära: Taschnermeister Anton Steinwalter errichtete ein vierstöckiges Mietshaus, das wohl als Kapitalanlage dienen sollte. Neben acht dunklen Zweizimmer-Wohnungen wurden zwölf mehrräumige, gutbürgerliche Wohnungen geschaffen, die über Kachelöfen, Küche und einen Abtritt verfügten. Das Gebäude überstand die Sanierungsmaßnahmen von Josef Kornhäusel, der ab 1823 den Block mit Gemeindesynagoge und Kornhäuselturm realisierte.

 

Im Zuge der Sanierung wurden nun den denkmalschützerischer Auflagen mittels konservatorischer Maßnahmen Rechnung getragen, einzigartige Elemente wieder freigelegt, restauriert und zum Teil in die Funktionalität des Institutsgebäudes integriert.

 

Das von Architekt Thomas Feiger in liebevoller Klein-, aber auch viel Knochenarbeit instandgesetzte Gebäude beherbergt nun auf fünf Etagen alle Aufgaben des Instituts: Forschung, Dokumentation und Vermittlung. Im Erdgeschoß ist der Empfangsbereich eingerichtet, durch den auch der Zugang zur Bibliothek des Jüdischen Museums Wien gewährleistet ist. Ein kleines Museum – definitorisch ja eine Institution, die eine Sammlung bedeutsamer und lehrreicher Gegenstände aufbewahrt, kategorisiert, erforscht und ausstellt – erinnert hier an die Arbeit und das Wirken von Simon Wiesenthal und damit an das Fundament des Instituts.

 

Das VWI-Archiv mit seinen Beständen aus der Sammlung Wiesenthals und den Teilen des IKG-Archivs mit Holocaustbezug, befindet sich im ersten Stock, dessen Holzbohlen für die Rollregale statisch verstärkt wurden. Der zweite Stock umfasst das Magazin der Bibliothek, die Büros der Dokumentationsabteilungen, nicht zuletzt die Lesesäle für Archiv und Bibliothek. Die nächste Etage ist mit seinen Zimmern der Forschung gewidmet: Hier sind die Fellows untergebracht, die nun – nach den beengten Verhältnissen im alten Büro – über großzügige Flächen für ihre Arbeit, ihre interne Kommunikation sowie Präsentation ihrer Forschungsvorhaben verfügen. Die Research Lounge, ein großer Raum im Herzen des Stockwerks, bietet ausreichend Platz für die Methoden- und Quellenseminare, zum Teil auch für kleinere Vorlesungen und Kolloquien. Im obersten Stock befinden sich schließlich die Arbeitsplätze der weiteren Angestellten des VWI.

 

Für die Innengestaltung des Objekts zeichnete im Auftrag des VWI Architekt Alex Kubik verantwortlich, der unter Verwendung des alten Mobiliars sowie mit neuen, aber schlichten Einrichtungselementen eine unaufdringliche Eleganz zu schaffen wusste. Eine Wandmalerei mit dem Porträt Simon Wiesenthals über drei Stockwerke im zentralen Lichthof verleiht dem Mentor und Initiator des Instituts eine ständige intellektuelle Präsenz im Haus.

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