Anton Pelinka (1941–2025)
Das Vienna Wiesenthal Institute (VWI) trauert um den Politologen Anton Pelinka, der am 3. Oktober 2025 im Alter von 83 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben ist.
Als Gründungsmitglied und erster Vorstandsvorsitzender des VWI trug Anton Pelinka entscheidend dazu bei, dass das Archiv Simon Wiesenthals und sein Vermächtnis eine würdige wissenschaftliche Verankerung in Wien erhielten. In seinem programmatischen Vortrag vom Jänner 2006 formulierte er die Grundidee des Instituts, das sich der Erforschung, Dokumentation und Vermittlung von allen Fragen rund um Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus und Holocaust, einschließlich dessen Vorgeschichte und Folgen, widmet und einen interdisziplinären und komparativen Ansatz verfolgt.
Pelinka war einer der bedeutendsten Politikwissenschaftler der österreichischen Nachkriegszeit. Zeit seines Lebens setzte er sich mit Österreichs NS-Vergangenheit, Antisemitismus und Rechtsextremismus auseinander. Seine wissenschaftliche Beschäftigung mit Demokratietheorien und sein gesellschaftspolitisches Engagement waren untrennbar miteinander verbunden.
Noch in der Aufbauphase 2009 verließ Pelinka das VWI nach einer Meinungsverschiedenheit, setzte sich aber weiterhin mit den Themen des Instituts auseinander. 2020 nahm er an der Intervention „Ich bin einer der 500 von 150.000“. Simon Wiesenthal im Interview teil. Sein Tod ist ein großer Verlust für die Holocaust- und Zeitgeschichtsforschung sowie für die Politikwissenschaft in Österreich und international.