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CfP - Tagung
Connected Histories. Memories and Narratives of the Holocaust in Digital Space
   

von Dienstag, 5. Oktober 2021 -  08:00
bis Freitag, 19. November 2021 - 23:59

englisch below

 

1. EHRI-AT-Konferenz des Instituts für Zeitgeschichte der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck und des Wiener Wiesenthal Instituts für Holocaust-Studien

Transnationale Holocaust-Forschung, -Erinnerung und -Vermittlungsarbeit ist die Mission der European Holocaust Research Infrastructure (EHRI). Ihre größte Herausforderung ist die breite Streuung von Originalquellen und Fachwissen über viele Institutionen hinweg. EHRI arbeitet seit 2010 daran, die Fragmentierung und Dislozierung der Überlieferung über den Holocaust zu überwinden und historische Materialien, Institutionen und Forschende zu vernetzen. Die Möglichkeiten der Erforschung, Verknüpfung, Mediatisierung sowie Darstellung von digitalen Daten im virtuellen Raumen haben zu neuen Forschungsparadigmen geführt: Holocaust-Forschung und ihre Vermittlung sind transnational, transkulturell, digital und interdisziplinär zu denken. EHRI macht sich die digitalen Transformationsprozesse aus dem Bereich der Digital History und Digital Humanities zu eigen und versteht sich selbst als Motor neuer digitaler Methoden und Tools. Neben den Potentialen der ortsunabhängigen und mobilen Technik versteht sich EHRI als wissenschaftliche Infrastruktur für Menschen, die über Disziplinen- und Institutionsgrenzen sowie über nationale Geschichtspolitiken/-logiken hinweg unterschiedliche Expertise aus dem Bereich der Holocaustforschung und -vermittlung langfristig und nachhaltig vernetzt. Wir laden herzlich zu der ersten EHRI-AT-Konferenz CONNECTED HISTORIES. MEMORIES AND NARRATIVES OF THE HOLOCAUST IN DIGITAL SPACE ein.

Das World Wide Web und die Digitalisierung haben sich als unersetzliche Instrumente für die Geschichte des und die Erinnerung an den Holocaust erwiesen. Die technischen Möglichkeiten sind die Bausteine der Wende, die Marianne Hirsch 2012 als „postmemory’s archival turn“ bezeichnete. Für eine als Public History bezeichnete Geschichte in der Öffentlichkeit sind sie unverzichtbare Werkzeuge für die Mobilisierung unterschiedlichster sozialer und ethnischer Gruppen geworden. Am Beispiel des Holocaust zeigt sich der paradigmatische Wandel in den Geisteswissenschaften auf besonders eindrückliche Weise. Gedächtnisinstitutionen nutzen das Internet heute auf hohem professionellen Niveau als Präsentationsort zur Selbstdarstellung und als Forum zur Diskussion für zunehmend internationale, transkulturelle und interdisziplinäre Nutzerschichten.

Gleichzeitig sind es nicht immer die etablierten Institutionen, die die technischen Möglichkeiten und Potentiale des Netzes zur Gänze ausreizen. Kreative und manchmal kontrovers diskutierte neue Formen des Erzählens der Geschichte des Holocaust oder auch mit digitalen Medien neu präsentierte traditionelle Arten des Holocaust-Gedächtnisses kommen nicht selten von Personen oder Gruppen, die nicht im Einflussbereich der großen Gedenkstätte, Museen und Archive stehen. Eine besondere Konjunktur erfahren solche „private“ Inszenierungen seit dem Boom sogenannter Sozialer Medien. Durch die Nutzung des Mediums Internet und der Sozialen Netzwerke wird dabei auch für den Kontext des Holocaust deutlich: Es gibt neue Strukturen der Entscheidungsfindung in der Gesellschaft, die die Möglichkeiten traditioneller Massenmedien übersteigen sowie neue Formen und Foren der Öffentlichkeit, die anders funktionieren, anders Inhalte verbreiten, anders aktivieren und dabei nicht nur eine passive Rezeptionshaltung erzeugen, sondern im Gegenteil von der Partizipation einer breiten Öffentlichkeit leben.

Der digitale Raum als abstraktes und unbegrenztes Archiv für die Mediation des Holocaust steht also im Zentrum der geplanten internationalen Tagung.

1) Inter- und transgenerationelle Aspekte:

Der digitale Raum als Aushandlungsort, Begegnungsraum und Kampfzone von Generationen und Geschichten bietet die Möglichkeit über transgenerationelle Weitergabe von Traumata, von Familiengeschichten, von vermittelten Inhalten neu nachzudenken: Wie können mit dem Wissen um digitale Möglichkeiten inter- und transgenerationelle Prozesse neu reflektiert werden? Welche neue Sprache stellen die digitalen Medien bereit (sharen, liken, hashtags)? Wie fordern diese Prozesse auch konventionelle Generationenbegriffe oder das Denken in Generationen per se heraus?

2) Forschung und Wissensproduktion vs. Vermittlung in der digitalen Welt

Das digitale Archiv im World Wide Web scheint eine endlose Quelle des Wissens zu sein. Doch während theoretisch ein Vergessen im digitalen Raum wegen der Automatismen der Speicherung und Duplizierung unmöglich zu sein scheint, kann sich das Netz oft nicht wirklich erinnern, denn wie finden sich Forschende und Suchende in den Weiten des Internet zurecht? Welche Herausforderungen entstehen durch diese neuen Foren und Medien der Erzählung für die Geschichtswissenschaft? Wie beeinflusst der Standpunkt von HistorikerInnen, ihre generationelle Einordnung ihren Umgang mit Medien der Geschichte selbst? Wie wirken sich die neuen Formen der Präsentation, der Verfügbarkeit von (historischen) Information und von (Archiv-)Materialien im digitalen Raum auf die Forschung aus? Welche interdisziplinären Verschränkungen sind hier - gerade, wenn es um Digital Storytelling und Public History geht - noch gefragt? Welche Fragestellungen bringen KünstlerInnen, AutorInnen, VermittlerInnen, InformatikerInnen etc. in dieses Feld der digitalen Holocaust Studies ein?

3) Ethik, Politik, Ästhetik

Der digitale Raum fordert ein Umdenken in vielen Bereichen ein und eröffnet Perspektiven nationaler, transnationaler, transkultureller sowie globaler Vernetzung: Wer sind wir im virtuellen Raum? Wer spricht/schreibt? Welche Formen und Konzepte persönlicher und/oder kollektiver AutorInnenschaft kommen dabei ins Spiel? Und welche Rolle kommt dabei der vermeintlichen Anonymität in der digitalen Sphäre zu? Welche Potenziale und/oder Herausforderungen bieten partizipative Archivierungs- und Forschungsprojekte? Welche neuen Allianzen und politischen Identitäten formieren sich in diesem Raum? Welche (Un-)Möglichkeiten bieten sich im Digitalen, um etablierte Narrative anders zu erzählen, neue Positionierungen zu schaffen? Welche Gefahren erwachsen auch aus dieser Freiheit (fake (hi)stories, conteos, conspiracy theories)? Wie können Frage- und Problemstellungen der analogen Holocaust-Forschung und -Vermittlung im digitalen Raum (neu) verhandelt werden, bspw. mit Blick auf Copyright und Persönlichkeitsrechte: Was verstehen wir unter Persönlichkeitsrechten? Wie können sie digital gewahrt werden? Und was bedeutet dies umgekehrt in der historischen Rückschau, in der Arbeit mit historischem Material? Welche Einschränkungen entstehen aufgrund der (unterschiedlichen) Copyright-Gesetzgebungen (“digital cliff of death”)?

Allgemeine Infos:

Formate:

Panels: Jedes Panel besteht aus drei Vorträgen à 20 Minuten. Sollte ein Vorschlag für ein Panel eingereicht werden, so muss dieser ein Abstract des Panels, den Namen und ein CV des Chairs (falls bereits bekannt), die Titel und Abstracts der einzelnen Vorträge (jeweils 250–300 Wörter) sowie ein CV aller Beiträger*innen (jeweils 50–100 Wörter) enthalten.

Einzelbeiträge: Es ist ebenso möglich, ein Paper für einen Einzelbeitrag einzureichen. In diesem Fall müssen in der Einreichung der Name des*der Beiträger*in, der Titel des Vortrages, ein Abstract (250–300 Wörter) und ein CV (50–100 Wörter) enthalten sein.

Einreichungen für den Open Space: Da es sich um eine Tagung mit Workshop-Charakter handelt, können neben Panels und Einzelbeiträge auch andere Formate wie Posterpräsentationen, artistische Interventionen, Roundtable-Diskussionen etc. eingereicht werden. Wir wenden uns ausdrücklich an Initiativen, künstlerische und erinnerungspolitische Projekte aus dem Bereich der Citizen Science und der Artistic Research. Einreichungen für den Open Space müssen eine Beschreibung/ein Abstract des Vorhabens (250–300 Wörter), ein CV der Beiträger*innen (jeweils 50–100) Wörter sowie Angaben zur Umsetzung bzw. zu technischen Voraussetzungen enthalten.

Einreichung:

Bitte laden Sie Ihre Einreichung (alles in einer gemeinsamen Datei) auf Deutsch oder Englisch bis spätestens 19. November 2021 auf https://webapp.uibk.ac.at/connectedhistories22 hoch. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die Teilnehmer*innen werden bis 14. Jänner 2022 verständigt.

Zur Tagung:

Die Tagung wird vom 23. bis 25. Mai 2022 in Wien stattfinden. Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch, eine Publikation ausgewählter Beiträge ist geplant. Die Übernachtungskosten in Wien werden übernommen, Reisekosten sind zunächst von den Teilnehmer*innen selbst zu tragen und werden – je nach Zusage von Fördermitteln – ggf. bis zur Höhe von 300 Euro erstattet.


Call for Papers

Transnational Holocaust research, commemoration, and dissemination forms the mission of the European Holocaust Research Infrastructure (EHRI). Its biggest challenge is the broad dispersal of original sources and disciplinary knowledge across many institutions. Since 2010, EHRI has been working to overcome this fragmentation and dislocation of the Holocaust’s legacy and to connect historical materials, institutions, and researchers. The subsequent opportunity to research, interlink, mediatise, and present digital data in virtual space has resulted in new research paradigms: Holocaust research and its dissemination can now be considered transnational, transcultural, digital, and interdisciplinary. EHRI has adopted the processes of digital transformation from the fields of digital history and digital humanities and regards itself as the engine of new digital methods and tools. Aside from exploiting the potentials afforded by mobile technology, EHRI is perceived as a scholarly infrastructure engaged in the long-term, sustainable networking of diverse expertise from the field of Holocaust research and dissemination, crossing disciplinary and institutional boundaries and going beyond the various politics and logics of national histories. We warmly invite proposals for the first EHRI-AT conference, entitled CONNECTED HISTORIES. MEMORIES AND NARRATIVES OF THE HOLOCAUST IN DIGITAL SPACE.

The World Wide Web and digitisation have proven to be irreplaceable instruments for the history of the Holocaust and its commemoration. Its technical potential constitutes the foundation of what Marianne Hirsch in 2012 termed “postmemory’s archival turn”. It has become an indispensable tool also for the mobilisation of the most varied social and ethnic groups engaged in public history. The example of the Holocaust impressively shows the paradigmatic shift taking place in the humanities. Memorial institutions today use the Internet on a very high professional level, as a site of self-presentation and representation and as a discussion forum for increasingly international, transcultural, and interdisciplinary audiences.

At the same time, it is not always established institutions that are using the technical possibilities of the internet to their fullest extent. Creative and sometimes controversially discussed new forms of narrating the history of the Holocaust or digitally remediated forms of Holocaust commemoration are emerging amongst individuals and groups who do not work within the realm of large memorial sites, museums, and archives. Such “private” representations have become especially popular following the boom of so-called Social Media. The use of the Internet and Social Media demonstrates – also within the context of the Holocaust – that new structures of decision-making have arisen in society that exceed the potential of traditional mass media, alongside new public forms and forums that work differently, disseminate content differently, activate people differently, and thereby not only generate a passive reception, but on the contrary, live from the broad participation of the public.

Thus, the planned international conference will focus on digital space as an abstract and unlimited archive for the mediation of the Holocaust.

1) Inter- and Transgenerational Aspects:

As a space of discussion, encounter, and conflict between generations and histories, the digital space offers an opportunity to re-think the transgenerational dissemination of trauma, family histories, and disseminated contexts: Exploiting digital possibilities, how can inter- and transgenerational processes be reconsidered? What new language is enabled by digital media (sharing, liking, hashtags)? How do these processes challenge conventional generational concepts or thinking in generations?

2) Research and the Production of Knowledge vs. Dissemination in the Digital World

The World Wide Web as a digital archive appears to be an endless source of knowledge. However, while forgetting seems theoretically impossible in digital space due to automatic storage and duplication, the expanse and complexity of the Internet prevent adequate rememberance? What challenges do the new narrative forums and media pose to historical research? How do historians’ positions and generational belongings affect their engagement with the media of history? How do new forms of presentation and the availability of (historical) information and (archival) materials in digital space affect research? What interdisciplinary connections – especially regarding digital storytelling and public history – are still required? What new questions can be raised by artists, authors, disseminators, computer scientists, and so on in the field of digital Holocaust studies?

3) Ethics, Politics, and Aesthetics

Digital space asks for a reconsideration in many areas and opens up perspectives of national, transnational, transcultural, and global networks: Who are we in virtual space? Who is writing/speaking? What forms and concepts of personal and/or collective authorship matter here? And what role does ostensible anonymity play in the digital sphere? What potential and/or challenges arise from participatory archive and research projects? What new alliances and political identities emerge in this space? What (im)possibilities does digital space offer in order to tell established narratives differently or to create new positionings? What dangers emerge from this freedom (fake (hi)stories, conteos, conspiracy theories)? How can questions and problems from analogue Holocaust research and dissemination be (re)engaged with in digital space, for example with regard to copyright and publicity rights: What do we understand under privacy rights? How can they be digitally safeguarded? And what does this conversely mean in historical retrospect, in working with historical materials? What limitations emerge due to (variable) copyright laws (“digital cliff of death”)?

General Information:

Formats:

Panels: Each panel will feature three presentations (20 minutes each.) Your submission needs to include an abstract for the panel, the chair's name as well as a CV (if you already know who will be chair), titles and abstracts of each presentation (250–300 words each) and a CV of every presenter (50–100 words each).

Presentation: If you submit a presentation, your submission needs to include your name, the title of your presentation, an abstract of your presentation (250–300 words) and a CV (50–100 Wörter).

Submissions for the Open Space: Since this conference has the character of a workshop, we invite proposals for presentations as well as other formats, like poster presentations, artistic interventions, roundtable discussions, and so on. We explicitly invite initiatives and artistic or memorial projects from the fields of citizen science and artistic research. Submissions for the Open Space need to include an abstract (250–300 words), a CV of every presenter (50–100 words each) as well as information on the execution and technical requirements

Submission:

Please submit your proposal (all in one file) in German or English by 19 November 2021 to https://webapp.uibk.ac.at/connectedhistories22. If you require further information, please contact Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!The participants will be notified by 14 January 2022.

Conference:

The conference will take place in Vienna from 23 to 25 May 2022. The conference languages will be German and English. We plan to publish a selection of contributions. Accommodation costs in Vienna will be covered. Participants are requested to cover their travel costs independently and might later be reimbursed up to 300 Euros, pending approval from funding bodies.

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