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Dagi Knellessen

Junior Fellow (10/2019–06/2020)

 

Paradoxien der Zeugenschaft. Jüdische Überlebende in bundesdeutschen Sobibor-Prozessen, 1949–1989

 

KNELLESSENMit dieser Langzeitstudie wird die Zeugenschaft von mehr als vierzig jüdischen Überlebenden des Vernichtungslagers Sobibor, die zwischen 1949 und 1989 in fünf bundesdeutschen Sobibor-Prozessen ausgesagt haben, systematisch untersucht. Rekonstruiert werden das Zustandekommen, der Verlauf und die konkreten Umstände der Zeugenschaft, wobei drei elementare Aspekte in den Blick genommen werden:

 

 

1) Die Initiativen, Aktivitäten und transnationalen Verflechtungen der Überlebenden sowie ihre Aussagemotive und -strategien

2) Die weltweite Beteiligung von jüdischen Organisationen, wie dem World Jewish Congress und Einzelakteuren wie Simon Wiesenthal

3) Die Anforderungen und die jeweils zeitgenössische Verfasstheit des konstitutiven Rahmens der bundesdeutschen Justiz, das jeweilige Prozessgeschehen wie die juristische Bewertung der Glaubwürdigkeit dieser Zeugen durch Staatsanwälte und Richter

Im Gesamtbild zeigt sich: Die Sobibor-Überlebenden sagten stetig über vier Dekaden in westdeutschen Gerichtssälen als Zeugen aus. Hier rückten sie auf Grund der besonderen Tatumstände in eine exponierte wie prekäre Position. Zudem trafen sie auf eine Justiz, die ihnen mit immer größer werdendem Misstrauen entgegentrat und sie zunehmend vor paradoxe Anforderungen stellte. In diesem besonderen Fall wird eine Entwicklung der Zeugenschaft erkennbar, die in deutlichem Widerspruch zur allgemeinen deutschen Perzeptions- und Aufarbeitungsgeschichte des Holocaust nach 1945 steht.

 

Dagi Knellessen ist seit 2015 Doktorandin am Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow in Leipzig. Ihr Magisterstudium der Erziehungswissenschaft, Politikwissenschaft und Psychologie schloss sie 2001 an der Technischen Universität Berlin ab. Von 2001 bis 2005 hat sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fritz Bauer Institut, Frankfurt/Main an der Ausstellung über den ersten Frankfurter Auschwitz Prozess mitgearbeitet. Von 2005 bis 2015 war sie als freie Erziehungswissenschaftlerin in Berlin tätig und hat an Forschungs- und Bildungsprojekten zur Wahrnehmungsgeschichte des Holocaust, zur juristischen Aufarbeitung nach 1945, Formen der Zeugenschaft von NS-Verfolgten und jüdischen Überlebenden sowie in Oral History Projekten mitgewirkt und zu diesen Themen publiziert.

 

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