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Events

 

The Vienna Wiesenthal Institute for Holocaust Studies (VWI) organises academic events in order to provide the broader public as well as an expert audience with regular insights into the most recent research results in the fields of Holocaust, genocide, and racism research. These events, some of which extend beyond academia in the stricter sense, take on different formats ranging from small lectures to the larger Simon Wiesenthal Lectures and from workshops addressing an expert audience to larger international conferences and the Simon Wiesenthal Conferences. This reflects the institute’s wide range of activities.

 

The range of events further extends to the presentation of selected new publications on the institute’s topics of interest, interventions in the public space, the film series VWI Visuals, and the fellows’ expert colloquia.

 

 

Simon Wiesenthal Lecture
Mona Körte: Der Zeuge als Wiedergänger. Frühe Prosa über den Holocaust
   

Thursday, 7. February 2019, 18:30 - 20:00

Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, 1010 Wien, Minoritenplatz 1

 

Die ersten Berichte über das Leben und Sterben in den NS-Lagern stellen auf radikale Weise die Frage, was von der Gattung Mensch nach Auschwitz bleibt. Ist das ein Mensch? und Das Menschengeschlecht sind elementare Titel für das entstehende Genre der Zeugnisliteratur. Bei aller Unterschiedlichkeit in der Gestaltung thematisieren diese nicht nur Mechanismen der Lagerwelt, sondern formulieren spezifische Dilemmata, die im Anschluss zu Topoi der Zeugnisliteratur wurden: die in den Lagerträumen vorweggenommene Situation nicht angehörter Berichte, die verzweifelte Suche nach Zuhörern, die Scham des Überlebens, die Fragilität einer durch das Ereignis ohnehin nachhaltig beschädigten Erinnerung und schließlich ein poetologisches Moment, das die Bestattung der Toten zu einer der Funktionen des Zeugnisses erklärt.

Im ersten Teil rückt der Vortrag den Begriff des Zeugen und des Zeugnisses sowie dessen kommunikative Funktion in den Blick. Das insbesondere bei Charlotte Delbo so radikal formulierte Bewusstsein der Überlebenden, nach Art einer Wiedergängerin gleichsam posthum zu leben, ist Gegenstand des zweiten Teils. Ein letzter Teil untersucht eine spezifische Form von Mehrsprachigkeit, den ‚internationalen Jargon‘ (Primo Levi), als entscheidende Überlebenshilfe im Lager und ihr Echo in der Anlage der Zeugnisse.

Mona Körte ist Komparatistin und Germanistin und lehrt an der Universität Bielefeld im Fach Literaturwissenschaft. In ihren Forschungen befasst sie sich u.a. mit deutsch-europäisch-jüdischer Literatur- und Kulturgeschichte, Holocaust Studies, Literaturtheorie, Exil und Mehrsprachigkeit. Zu ihren Publikationen gehören: Pass pro toto. European-Jewish Responses to State Narratives of Personhood, in: Marc Silberman, Venkat Mani (Hg.), Back to the Future. Tradition and Innovation in German Studies, Frankfurt 2018; Dichtungslogiken des Ich. Theoriebildung im Exil bei Käte Hamburger und Margarete Susman, in: Stephan Braese, Daniel Weidner (Hg.): „Meine Sprache ist Deutsch“. Deutsche Sprachkultur von Juden und die Geisteswissenschaften 1870 – 1970, Berlin 2015.

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