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News – Events – Calls

19. April 2026 00:00 - 29. April 2026 00:00
InterventionFREMDE ERDE – Festival Verfemte Musik
Bereits zum dritten Mal rückt das Festival FREMDE ERDE Musikwerke in den Fokus, die unter dem NS-Regime verboten waren. In Wien-Neubau erwecken vom 12. bis 29. April 2026 mehr als 100 Musiker:innen die Kompositionen von über 20 verfolgten Künstler:innen zu neuem Leben. Mit dem Musikf...Weiterlesen...
19. April 2026 00:00 - 15. May 2026 00:00
ChancenProjektmitarbeiter:in im Simon Wiesenthal-Archiv
Stellenausschreibung Das Vienna Wiesenthal Institute for Holocaust Studies (VWI) schreibt zum ehestmöglichen Zeitpunkt die befristete Teilzeit-Stelle „Projektmitarbeiter:in im Simon Wiesenthal-Archiv“ aus. Die Stelle wird im Rahmen eines öffentlich geförderten Archivprojektes besetzt...Weiterlesen...
24. April 2026 17:00
InterventionLange Nacht der Forschung 2026
2026 öffnet das VWI in der Langen Nacht der Forschung seine Tore. Unter dem Motto „Täterschaft im Fokus“ bieten VWI-Fellows und das VWI-Team Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte sowie in die Bestände des Archivs. Zusammen mit dem Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des...Weiterlesen...
11. May 2026 18:30
BuchpräsentationSusanne Heim: „Die Abschottung der Welt. Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen. 1933 – 1945“
„Deutschland muss ihnen ein Land ohne Zukunft sein“: Nach dieser Devise wurden Juden in Deutschland bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs entrechtet, enteignet und gedemütigt, um sie außer Landes zu treiben. Doch wohin? Susanne Heim hat erstmals systematisch untersucht, welche perfide...Weiterlesen...
20. May 2026 13:00
VWI invites/goes to...What’s New in Holocaust Studies?
VWI invites Documention Centre of Austrian Resistance (DÖW)   Chairs: Éva Kovács (VWI), Claudia Kuretsidis-Haider (DÖW) 13:00-13:40Nina Valbousquet, Jewish-Catholic Odysseys: ‘Non-Aryan’ Refugees, the Holocaust, and Pius XII’s Vatican (1930s-1950s)My current project sheds li...Weiterlesen...
28. May 2026 18:30
Simon Wiesenthal LectureHolly Case: The Holocaust and the System. Historical Trauma and the Writing of History
In 2019, historian of the Holocaust Christopher Browning called for a shift away from thinking in terms of "systematic genocide" towards a conception of "systemic genocide." The talk will consider how and why historical reflections around traumatic events – with special emphasis on th...Weiterlesen...
09. June 2026 18:30
BuchpräsentationLisa Silverman: The Postwar Antisemite. Culture and Complicity after the Holocaust
In Anti-Semite and Jew, Jean-Paul Sartre famously wrote, “If the Jew did not exist, the anti-Semite would invent him.” With this claim, Sartre suggested that the Antisemite alone – a figure seemingly separate from both the writer and his audience – is responsible for creating and perp...Weiterlesen...

Yehuda Bauer (1926–2024) – ein großer Historiker hat uns verlassen

 

Yehuda Bauer wurde am 6. April 1926 als Martin Bauer in Prag geboren. Nach langen Vorbereitungen gelang es der Familie im März 1939 noch rechtzeitig aus dem nationalsozialistischen Machtbereich zu flüchten. Über Polen, Rumänien und die Türkei gelangten sie in das damalige britische Mandatsgebiet von Palästina, heute Israel. Dort absolvierte Yehuda Bauer die Schule, mit Hilfe eines Stipendiums konnte er in Cardiff, Wales, sein Geschichtsstudium absolvieren, das er an der Hebräischen Universität in Jerusalem abschloss, wo er später dann selbst lehrte. Seine Lehrtätigkeit führte ihn in der Folge auch an verschiedene Universitäten der USA.

 

Yehuda BauerNationale Geschichtsverengung war Bauer stets fremd. Ausgehend von seinen umfassenden Sprachkenntnissen waren ihm Quellen und Fachliteratur der wesentlichen am Holocaust beteiligten Länder zugänglich. Damit erarbeitete er sich einen globalen Überblick, der ihm ein hohes Maß an Kontextualisierung sowie beeindruckenden Überblick über das Gesamtgeschehen ermöglichte. Schuldzuweisungen im Kontext der Holocaustinvolvierung einzelner Mitgliedsländer waren ihm fremd, Erkenntnis von Verantwortung und Mitverantwortung hingegen wichtig. Von 2006 bis 2009 war Yehuda Bauer Mitglied des Gründungsbeirats des Vienna Wiesenthal Institute for Holocaust Studies (VWI). Als Mitbegründer und zuletzt Ehrenvorsitzender der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) mit ihren heute bereits 35 Mitgliedsländern in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien betonte er stets, dass alle Länder sich ihrer Verstrickung in den Holocaust stellen und aus dieser Erkenntnis heraus zusammenarbeiten sollten, um die Geschichte ohne Rücksicht auf nationale Empfindlichkeiten aufzuarbeiten und besorgniserregende Tendenzen der Gegenwart zu bekämpfen. Bauer sah den Holocaust als präzedenzlos, aber warnte stets davor, dass er sich auch wiederholen könnte, also kein singuläres abgeschlossenes Verbrechen sei. Ein großes Anliegen war ihm die korrekte Geschichtsdarstellung, bis zuletzt setzte er auch im Rahmen der IHRA alles daran, wachsende, in vielen Ländern auch aus nationalistischen Motiven zu beobachtende Verharmlosungen und Verfälschungen in der Darstellung des Holocaust zu bekämpfen unter dem Grundsatz „protect the facts“.

 

Im Rahmen seiner akademischen Karriere und wissenschaftlichen Tätigkeit auch zuerst als Direktor, dann als Berater der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem war es Bauer stets ein Anliegen, der Holocaustforschung eine möglichst breite Basis zu geben, zB mit der Gründung der Zeitschrift Holocaust and Genocide Studies, und gleichzeitig die Ergebnisse seiner Forschungen auch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

 

Sein umfassendes Wissen beeindruckte immer wieder, so wenn er anlässlich der Eröffnung der Plenarsitzungen der IHRA, wo Wissenschafter*innen und Diplomat*innen der Mitgliedsländer um den großen Tisch saßen, seinen als „Yehuda’s sermon“ bekannten Vortrag immer zu ausgewählten Aspekten hielt, oft mit Gegenwartsbezug wie beispielsweise zu seiner Sicht auf die international um sich greifenden Trivialisierung des Holocaust.

 

Alle seine Verdienste ließen ihn jedoch nie abgehoben auftreten, ganz im Gegenteil: Yehuda Bauer war ein humorvoller, freundlicher, Kolleginnen und Kollegen gegenüber aufgeschlossener Mensch, mit dem zu sprechen stets interessant und eine Freude war.
Sein Tod ist ein großer Verlust für die Holocaustforschung und lässt alle jene, die die Ehre hatten, ihn persönlich zu kennen und mit ihm zusammen zu arbeiten, in Trauer zurück.

 

Brigitte Bailer
Ehemalige Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes
Mitglied der Generalversammlung des VWI
Langejähriges Mitglied der österreichischen Delegation zur IHRA

Foto: Heinrich-Böll-Stiftung, Stephan Röhl; CC BY-SA 2.0

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