Jan Karski (1914–2000)
Vor zwanzig Jahren starb der polnische Offizier, Widerstandskämpfer und Kurier der Londoner polnischen Exilregierung Jan Karski. Mehrfach ins Warschauer Ghetto und in NS-Lager im besetzten Polen eingeschleust, wurde er zu einem Zeugen des Holocaust. Auf abenteuerlichen Wegen gelangte er über Paris, Madrid und Gibraltar schließlich im November 1942 nach London. Auf Grundlage seines Berichts verfasste die polnische Exilregierung die an die Regierungen der Vereinten Nationen gerichtete Note The Mass Extermination of Jews in German Occupied Poland.
Seine persönlichen Zusammentreffen mit US-Präsident Roosevelt Vertretern jüdischer Organisationen und christlicher Kirchen zeitigten aber keinerlei Konsequenzen, da sein Bericht als Übertreibung der polnischen Exilregierung eingestuft wurden.
Nach 1945 kehrte Karski nicht mehr nach Polen zurück, ließ sich in den USA nieder. Aus einem achtstündigen Interview produzierte Claude Lanzmann 1995 den ca. einstündigen Film Le Rapport Karski. Sein Interview für die USC-Shoah Foundation über seine Mission kann über YouTube eingesehen werden.
Der Verlag von VWI-Alumnus Leo Gürtler, bahoe books veröffentlichte 2019 eine Graphic Novel über das Leben Karskis.
Am 1. September 1983 wurde in der Zeitschrift Ausweg ein Aufruf zur Versöhnung von Polen und Juden, zur Regelung ihrer Beziehungen veröffentlicht: „Es ist Zeit, das Gespenst des gegenseitigen Antagonismus zu bannen. Er verletzt sowohl die Polen als auch die Juden und ist besonders schmerzhaft für die Juden, welche polnische Patrioten sind und zugleich ihrem jüdischen Erbe und ihrer Religion treu bleiben wollen.“ Unter den Unterzeichnern finden sich Jan Karski und Simon Wiesenthal.







