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Wiedereröffnung am 8. Februar

 

Ab 8. Februar 2021 können Archiv und Bibliothek nach Voranmeldung (telefonisch oder per E-Mail) wieder benutzt werden. Ein Besuch im Museum ist für maximal zwei Personen gleichzeitig wieder möglich. In allen Fällen gilt ein verpflichtendes Tragen einer FFP2-Maske und das Einhalten des Mindestabstands von zwei Metern.

Telefonisch ist das Institut Montag bis Freitag von 10-16 Uhr erreichbar: +43-1-890-15-14

Aktuelle Veranstaltungen und Calls

07. März 2021 08:00 - 15. März 2021 23:59
FellowshipsConny Kristel Fellowship Programme 2021
By facilitating international access to an unprecedented range of key archives and collections related to the Holocaust as well as archival and digital humanities expertise, the EHRI Conny Kristel Fellowships support and stimulate Holocaust research conducted by researchers, archivist...Weiterlesen...
07. März 2021 12:00 - 15. März 2021 23:59
ChancenDigital Heritage Management Specialist
(English version below) Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) schreibt zum ehest möglichen Zeitpunkt eine Stelle als “Digital Heritage Management Specialist” aus   Arbeitsbeschreibung Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) schreibt ei...Weiterlesen...
24. März 2021 15:00
VWI invites/goes to...Anna Menyhért: Trauma in the Digital Age. The Representation, Transmission, and Processing of Trauma on Social Media
VWI goes to the Academy of Fine Arts Since the 2000s, social media networks have introduced major changes in the way people are regularly exposed to content related to the traumatic experiences of others (wars, catastrophes, individual disasters, violence, and rape). Social media pro...Weiterlesen...
25. März 2021 12:00
VWI invites/goes to...Maayan Armelin: Leadership Styles And Social Relations in the SS-Einsatzgruppen
VWI goes to the University of Vienna Mass executions across the Nazi-occupied Soviet Union marked the first stage of systematic annihilation during the Holocaust. The SS-Einsatzgruppen, mobile paramilitary units, murdered over a million and a half civilians, shooting them on the marg...Weiterlesen...

Irina Marin

Research Fellow (10/2016-08/2017)

 

Bäuerliche Gewalt und Antisemitismus im Dreiländereck Österreich-Ungarn, Russland und Rumänien, 1880–1914

 

MARIN04Die Bauernunruhen und Agrarrebellionen, die das Dreiländereck Österreich-Ungarn, Russland und Rumänien an der Wende zum 20. Jahrhundert kennzeichneten, dienen der Studie als Hintergrund und als Bindeglied für eine umfassende, transnationale und vergleichende Darstellung sowohl des Rechtsstatus als auch des Schicksals der jüdischen Bevölkerung in der Region. Welche Position Juden in den Modernisierungsprozessen der Region einnahmen, wird dabei ebenso zu untersuchen sein, wie die Frage, wie diese Prozesse innerhalb der einzelnen Nationswerdungen begrifflich eingesetzt und mittelfristig konzeptualisiert wurden.

  

Irina Marin promovierte am University College London. Sie arbeitet zur Zeit an einem Projekt über den Zusammenhang von ländlicher Gewalt und Antisemitismus in Osteuropa. Die Schwerpunkte ihrer bisherigen Arbeiten waren Identitätspolitiken in der Donaumonarchie, Studien zu Grenzregionen und sozialen Konflikten.

Dimitrios Varvaritis

Research Fellow (10/2016-08/2017)

 

Antisemitische Diskurse in Griechenland nach der Shoah, 1944–1949

 

VARVARITISMit der Befreiung waren die griechischen Überlebenden der Shoah mit denselben Fragen konfrontiert wie die Juden im übrigen Europa: Für einen Neubeginn mussten sie sich Unterkunft und Arbeit sichern, die Restitution geraubten Besitzes einleiten und Trauerarbeit für den Verlust von Familien und der Zerstörung ihrer Gemeinden leisten. Gleichzeitig waren sie aber der Gleichgültigkeit, wenn nicht sogar Feindseligkeit breiter Teile der nichtjüdischen, griechischen Bevölkerung ausgesetzt. Das Projekt wird die zahlreichen antisemitischen Manifestationen von 1944, dem Jahr der Befreiung, bis zum Ende des Bürgerkriegs 1949 dokumentieren und analysieren. Auch wird zu klären sein, inwieweit der Antisemitismus nach dem Holocaust mit früheren Fällen von Judenfeindlichkeit in Verbindung stand bzw. inwieweit lokale Bedingungen oder die Landespolitik bei diesen Aktionen eine Rolle spielte. 

 

Dimitrios Varvaritis studierte Recht an der Universität Sydney und Geschichte in London, wo er am King‘s College in Geschichte promovierte. Seine zentralen Forschungsfelder sind die Beziehungen zwischen Juden und Nicht-Juden in Griechenland und im ostmediterranen Raum. Er ist Mitautor der Edition Sephardi Lives: A Documentary History 1700–1950, Stanford 2014.

Rory Yeomans
Research Fellow (10/2015 - 03/2016)


Opfer, Nutznießer, Verbraucher. Gesellschaftliche Mobilität, der Holocaust und die Ökonomie der Zerstörung in Kroatien 1941-1945


YeomansDas Forschungsvorhaben versucht, eine auf den ersten Blick trügerisch einfache Frage zu beantworten: Wie beeinflusst Massenterror den ökonomischen und politischen Alltag? Und wie verhandeln sowohl Opfer als auch potenzielle Nutznießer dieses System? Indem das Projekt den Holocaust in Kroatien als Fallstudie nimmt, untersucht es das erste Jahr des faschistischen unabhängigen Kroatiens, das 1941 von der Ustaša gegründet wurde. Mit Fokus auf die ökonomische Vernichtung der serbischen und jüdischen Elite des Landes, untersucht das Projekt die unterschiedlichen Ansätze, wie einzelne Serben und Juden versuchten, ihre Enteignung und Beraubung zu verhandeln. Gleichzeitig versucht es einen internen Blick auf den Terror zu ermöglichen, indem es die Arbeitsweise, die Pläne und Absichten jener Ämter und Einrichtungen beschreibt, die mit der Umsetzung der ‚Endlösung der serbischen und jüdischen Frage’ betraut wurden. Erörtert wird des Weiteren auch, wie die Demontage der serbischen und jüdischen Mittelschichten das alltägliche Wirtschafts-, Handels- und Arbeitsleben beeinflusste, die Nachfrage nach Konsumartikeln, sozialer Mobilität und Karrieremöglichkeiten in einer Zeit der Knappheit und des Mangels nährte, während sie die ungleiche Verteilung von wirtschaftlicher Potenz, Ressourcen und Lebenshaltungskosten nur verschärfte.

 

Rory Yeomans, PhD an der University College London. Er war Fellow am Centre for Advanced Study in Sofia und Cantemir Fellow an der University of Oxford, seine Forschungsschwerpunkte sind die Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte des faschistischen Kroatiens. Er ist Autor von Visions of Annihilation: the Ustasha Regime and the Cultural Politics of Fascism und Herausgeber von The Utopia of Terror: Life and Death in Wartime Croatia.

Carson Phillips
Research Fellow (04/2016 - 08/2016)


Zur (Neu)Ordnung von Genderkonstruktionen im Nachkriegswien 1945-2015


PhillipsDurch die Vorstellung, Verortung und Analyse prägender Modelle von Genderkonstruktionen, die sich in Wien im Gefolge des Zweiten Weltkriegs herausbildeten, wird das Projekt zwei historische Epochen überbrücken, aber auch die langanhaltenden Auswirkungen aufzeigen, die der Holocaust auf die sozialen Konzepte von Geschlecht hatte. Kernfragestellung wird dabei sein, wie diese Konzeptualisierungen entstanden, wie sie von politischen, kulturellen und religiösen – vergangenen wie gegenwärtigen – Faktoren geprägt wurden und wie sie zuletzt die Grundlage für zeitgenössische Ausdrucksformen von Gender formten. Unter Einbeziehung der Holocauststudien, der Gender Studies, der vergleichenden Literaturwissenschaft sowie der Cultural Studies liegt der Fokus des Projekts an der Schnittstelle zwischen German Studies und Jewish Studies, sowie der deutschsprachigen und jüdischen Kulturen und Identitäten. Ausgangspunkt des Projekts wird dabei die Krise der Maskulinität sein, die das deutschsprachige Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfasste. Wie Männer sich in der Folge dessen rekonzeptualisierten und ihre Plätze in den Wiederaufbaugesellschaften etablierten steht jüngst wieder im Mittelpunkt des Interesses zeitgenössischer Forschung.

 

Carson Phillips, PhD an der York University in Toronto, ist Geschäftsführer des Neuberger Holocaust Education Centre in Toronto. Seine Forschungsschwerpunkte sind Genderkonzepte nach dem Holocaust, Väterliteratur und die Darstellung des Holocaust in Film und Fernsehen sowie in der visuellen Kultur. Er war von 2009 bis 2013 kanadischer Delegierter zur International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), wo er weiterhin im Funding Review Committee tätig ist. Träger zahlreicher Wissenschafts- und Forschungspreise und -auszeichnungen, u.a. 2013 den BMW Canada Award des Canadian Centres for German and European Studies.

Norman Domeier
Research Fellow (03/2016 - 09/2016)


Weltöffentlichkeit und Diktatur. Die Auslandskorrespondenten im ‚Dritten Reich’ 1932-1949

 

domeier normanBis zu seinem Sturz umwarb, betörte, täuschte und bedrohte das ‚Dritte Reich’ die in Deutschland stationierten Auslandskorrespondenten. Allein, wenn alle Mittel der Lenkung, vorgeschriebenen Terminologie und Pressekontrolle versagten, zögerte das Regime nicht, die ausländischen Journalisten zu isolieren, einzukerkern und auszuweisen. Nichtsdestotrotz stellten sie eine Kraft dar, der das NS-Regime mediengeschichtlich gesehen in einer durchaus modernen Art seine Aufmerksamkeit schenkte – bis zu seinem Ende. Im Gegensatz zu den Öffentlichkeiten der Alliierten, hatte das ‚Dritte Reich’ formal ja – die Rundfunkreportage ausgenommen – niemals die Vorzensur eingeführt.

 

Das Forschungsvorhaben konzentriert sich auf die Auslandskorrespondenten als unabhängige Urheber und Akteure von Medienereignissen, wird aber gleichzeitig versuchen, eine Antwort auf die – zumindest seit 1941/1942 – entscheidende Frage zu geben: Was genau wussten die Auslandskorrespondenten über den Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden, und was berichteten sie konkret? Die Erkenntnisse des Projekts gehen dabei über den Zeitrahmen der Jahre zwischen 1932 und 1949 hinaus. Zweck des Vorhabens ist es, grundlegende Prinzipien für die Zeitgeschichte zu etablieren, wie mit dem Verhältnis zwischen Diktaturen und einer potenziell demokratischen Zuhörerschaft umgegangen werden kann – eine bis heute durchaus dringliche Causa.

 

Norman Domeier ist Assistenzprofessor für moderne europäische Geschichte an der Universität Stuttgart. Er studierte Geschichte, Politikwissenschaften und Publizistik in Göttingen, absolvierte sein MA in moderner europäischer Geschichte 2004 in Cambridge. Seine Dissertation über den Eulenburgskandal im deutschen Reich am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz 2009 wurde mit dem Preis ‘Geisteswissenschaften International’ des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Zur Zeit arbeitet er an einer Studie zu den Auslandskorrespondenten in Deutschland unter dem ‚Dritten Reich’.

Volha Bartash

Research Fellow (10/2015 - 03/2016)

 

Überleben als Alltagsroutine. Roma in der deutschbesetzten weißrussisch-litauischen Grenzregion 1941-1944

 

Bartash Interviews mit Roma-Familien eröffnen eine komplett neue Perspektive auf konkrete Lebensbedingungen unter einer militärischen Okkupation. Für sie war die Frage des Überlebens Alltagsroutine, die aus drei wesentlichen Fragen des Wo und Wie bestand: Wo es sich zu verstecken galt, wie die Familien versorgt werden konnten, und wie man ständig in Bewegung blieb. Den Schwerpunkt auf diese Überlebenserfahrungen der Roma legend, wird dieses Forschungsvorhaben die laufenden Debatten bezüglich der Unterschiede der Not sowohl der nomadisierenden als auch der sesshaften Roma-Gemeinden, die Rolle der örtlichen NS-Kollaborateure in der Verfolgung, aber auch den Widerstand der Roma ansprechen. Methodisch einzigartig dabei ist, dass die Studie ethnographische und historische Annäherungen zu kombinieren trachtet. Für die Datenbeschaffung wurden im Vorfeld schon Interviews in Roma-Gemeinden in Belarus und Litauen geführt, im Archiv und der Oral-History-Sammlung des USHHM in Washington, D.C. gearbeitet. Im Weiteren soll nun das bereits gesammelte Material gesichtet und ein Buchmanuskript vorbereitet werden. 

 

Volha Bartash studierte Geschichte und Völkerkunde an der Universität in Minsk, und schloss ihre Studien mit einem PhD der weißrussischen Akademie der Wissenschaften ab. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Holocausterinnerung und Fragen der Identität der Roma in Belarus und Litauen. Sie ist Trägerin des Marian Madison Gypsy Lore Society Young Scholar’s Prize in Romani Studies und war Jeff and Toby Herr Fellow am US Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C.

Ines Koeltzsch
Research Fellow (10/2014 - 08/2015)

 

Zwischen Vergessen und Nostalgie. Ländlich-jüdische Lebenswelten im kulturellen Gedächtnis Zentraleuropas vor und nach der Shoah

 

Koeltzsch web‚Juden sind Städter‘ – so lautet eines der bekanntesten Auto- und Heterostereotypen über Juden in der Moderne. Dieses Wahrnehmungsmuster des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat (nicht nur) die Historiografie bis in die Gegenwart hinein maßgeblich beeinflusst. Die Geschichte der Juden in ländlichen Regionen kann daher als eine zweifach marginalisierte Geschichte verstanden werden: Sie geriet entweder in Vergessenheit oder ist von einer starken Idealisierung geprägt. Das Projekt untersucht am Beispiel der böhmischen Länder und der Tschechoslowakei die kollektiven und individuellen Erinnerungsformen an die ländlich-jüdischen Lebenswelten im Zentraleuropa vor und nach der Shoah. Im Zentrum des Interesses stehen dabei regionsspezifische wie -übergreifende Inhalte und Topoi sowie die Funktionen von Vergessen und Nostalgie im kulturellen Gedächtnis an die ‚Landjuden‘. Diese werden anhand verschiedener Medien (Literatur, Autobiografien, Gedenkbücher etc.) herausgearbeitet. Übergreifend wird zudem gezeigt, dass sich die kollektiv geformten Erinnerungsmuster neben ihren jeweiligen individuellen Ausprägungen nicht erst nach der Shoah, sondern bereits zuvor im Kontext der Urbanisierung und des Niedergangs der ländlich-jüdischen Gemeinden herausgebildet hatten.

 

Ines Koeltzsch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Masaryk-Institut und Archiv der Akademie der Wissenschaften Prag. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der jüdisch-nichtjüdischen Beziehungen sowie der Stadt- und Migrationsgeschichte im Zentraleuropa des 19. und 20. Jahrhunderts.

Zuzanna Dziuban
Research Fellow (12/2014 - 08/2015)

 

Zum Nachleben der Vernichtungslager der ‚Aktion Reinhardt‘

 

Dziuban webDas Projekt wird eine umfassende und interdisziplinäre Analyse des Nachlebens der Vernichtungslager der ‚Aktion Reinhardt‘ ermöglichen. Zu diesem Zweck wird die Studie den Spuren der Nachgeschichte der ehemaligen Vernichtungslager in der wissenschaftlichen Forschung, in den Erinnerungskulturen, öffentlichen Auseinandersetzungen und in der Kunst von 1943 bis heute nachgehen. Bełżec, Sobibór und Treblinka werden dabei als komplexe und multidimensionale soziale, kulturelle und politische Phänomene dargestellt, wobei diese ehemaligen Lager sowohl als sich laufend verändernde physische Orte aber auch als herausfordernde, schwierige Subjekte der historischen Forschung, von Rechtsverfahren, kulturellen und künstlerischen Repräsentationen sowie privaten und öffentlichen Erinnerungsritualen zu verstehen sind. Gleichzeitig versucht das Projekt, die wechselseitigen Abhängigkeiten zwischen diesen klar abgrenzbaren, aber doch unvermeidlich eng miteinander verbundenen Sphären zu erkunden. Damit ist diese historisch-empirisch Studie durchaus auch innerhalb einer breiteren theoretischen Reflexion über Geschichte, Politik, Recht und Gerechtigkeit sowie Erinnerung zu verorten: Die ehemaligen Vernichtungslager der ‚Aktion Reinhardt‘ werden zu einem Brennglas, durch das die Gedächtnispolitik der Nachkriegszeit und generell die Dynamik der Holocaust-Erinnerung an sich analysiert werden kann.

 

Zuzanna Dziuban promovierte im Fach Kulturwissenschaften an der Adam Mickiewicz Universität in Poznań. Sie war Post-Doctoral Fellow im Rahmen der Forschungsgruppe ‚Geschichte & Gedächtnis‘ der Universität Konstanz, der Humboldt-Universität zu Berlin und des Hauses der Wannsee-Konferenz. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Bezüge zwischen Gewalt, Erinnerung, Raum und Holocaust sowie die Kulturpolitik der Trauer der Nachkriegszeit.

Maximilian Becker
Research Fellow (10/2014 - 08/2015)

Überlebende und Widerstandskämpfer. Europäische Netzwerke der Überlebenden und der ehemaligen Widerstandskämpfer

 

Becker webUnmittelbar nach der Befreiung 1945 begannen die ehemaligen NS-Verfolgten Verbände zu gründen, die ihre Interessen durchsetzen, die Erinnerung an Krieg und Verfolgung in der Öffentlichkeit wachhalten und für eine Bestrafung der für die Verbrechen Verantwortlichen sorgen sollten. Diese Vereinigungen gründeten transnationale Dachorganisationen wie die ‚Internationalen Komitees ehemaliger Häftlinge der großen Lager‘ oder die ‚Internationale Föderation der Widerstandskämpfer‘ (FIR). In diesen Organisationen waren Verbände von beiden Seiten des ‚Eisernen Vorhangs‘ vereint. Das Projekt verfolgt das Ziel, am Beispiel der FIR die transnationalen Aktivitäten der Verfolgtenverbände in Erinnerungspolitik, Wiedergutmachung und Sozialfürsorge für die ehemaligen Verfolgten sowie bei der Strafverfolgung von NS-Verbrecherinnen und -Verbrechern und Kollaborateuren zu analysieren.

 

Maximilian Becker studierte Neuere und Neueste Geschichte, Geschichte Ost- und Südosteuropas und Völkerrecht in München. Seine Dissertation Mitstreiter im Volkstumskampf. Deutsche Justiz in den eingegliederten Ostgebieten 1939-1945 wurde durch das Forum Justizgeschichte mit dem Richard-Schmid-Preis ausgezeichnet.

Gábor Szegedi

Research Fellow (10/2014 - 08/2015)

 

Antisemitismus und Sexualität: Sexualerziehung, Eheverbot, ‚Rassenschande’

 

Szegedi webIn Ungarn führte die Welle der antisemitischen Gesetzgebung nach 1938 und die mit dieser in enger Verbindung stehende Sozial- und Wirtschaftspolitik, die auf eine Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums auf Kosten ‚der Juden‘ abzielte, zu unterschiedlichen Bemühungen den Begriff ‚jüdisch‘ zu definieren. Jüdinnen und Juden wurden nun zu einer ‚Rasse‘ gemacht und ihnen ein besonderer ‚Geist‘ zugeschrieben. Gemeinsam mit der Zurückdrängung des angeblichen jüdischen Einflusses auf das Sozial- und Wirtschaftsleben, startete der ungarische Staat ein Projekt zur Trennung von ‚Juden‘ und ‚Nicht-Juden‘ auf physischer Ebene, indem es wünschenswerte und nichtwünschenswerte Körper definierte. Die tiefgreifendste Maßnahme im Bereich dieser Körperpolitik war das Ehegesetz des Jahres 1941: Es untersagte Eheschließungen auf rassi(sti)scher Basis und führte den Begriff der ‚Rassenschande‘ ein. Der private Körper wurde so dazu benutzt, die Grenzmarkierungen der Nation mit einer ‚anständigen Sexualität‘ sowie die Schwelle zwischen Zugehörigkeit und Anderssein zu bezeichnen. In seiner Dissertation untersuchte Szegedi die unterschiedlichen Diskurse der Sexualität in Zwischenkriegsungarn, besonders die Frage, wie sexuelles Wissen an junge, unverheiratete Erwachsene weitergegeben wurde. Diesmal werden diese Texte bzw. die Praxis der Sexualerziehung und vorehelichen Beratung dem biopolitischen Normalisierungsprozess der gerichtlich anhängigen ‚Rassenschandeverfahren‘ nach 1941 gegenübergestellt. Damit wird auf den Stellenwert der Sexualität für das Verständnis des Antisemitismus in Zwischenkriegsungarn hingewiesen.

 

Gábor Szegedi studierte Amerikanistik und Politologie an der ELTE und der CEU in Budapest, mit Studienaufenthalten in Turku/Åbo, Berlin und Durham. Im Juni 2014 verteidigte er seine Dissertation zur Sexualerziehung, Eheberatung und vorehelicher Gesundheitsuntersuchung im Ungarn des 20. Jahrhunderts am Department for History der CEU. Er arbeitete als Übersetzer, Mittelschullehrer und war fünf Jahre als Analyst und politischer Berater an der australischen Botschaft in Budapest tätig.

Alexander Korb
Research Fellow (10/2013 – 03/2014)


Vom Ende der Gewalt. Transformation in Jugoslawien 1944-1953

 

KORBIn meinem letzten Buch erforschte ich die Massengewalt, die während des Zweiten Weltkriegs den Balkan erschütterte. Während meines Aufenthaltes am VWI möchte ich nun die Frage stellen, wie Gewalt eigentlich endet. Gerade für Südost- und Ostmitteleuropa bedeutete die deutsche Kapitulation am 8. Mai 1945 ja nicht den Beginn des Friedens. Die unter deutscher Besatzung ausgebrochenen Bürgerkriege tobten oftmals monatelang weiter; nicht nur jüdische Überlebende sahen sich größten Schwierigkeiten gegenüber, ihr Eigentum zurückzuerhalten oder in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren zu können; mancherorts ermordeten Dorfbewohner heimkehrende Juden, mancherorts brachen Pogrome aus. Zugleich eskalierten die Massenvertreibungen und Umsiedlungen der Ethnien, die als Kollaborature galten, Bürger- und Guerillakrieg, ethnische Säuberungen, Pogrome, Abrechnungsgewalt und gewaltsame kommunistische Machtübernahmen verdichteten sich zu einem Gewaltszenario, das für weite Teile Südost- und Ostmitteleuropas prägend war. Die Überlebenden der Gewalttaten des Zweiten Weltkriegs fanden sich in einer bedrohlichen Lage wieder, und manche von ihnen mussten weiterkämpfen. Am Beispiel Jugoslawiens möchte ich den Übergang von Krieg zum Frieden erforschen und das Ende der Gewalt verstehen. Die Forschungen werden in ein Buchprojekt einfließen, an dem ich zusammen mit Dieter Pohl arbeite, sowie sollen zudem Gegenstand eines Artikels sein. Des weiteren arbeite ich in Wien an einer Sondernummer für eine Zeitschrift, die ich zusammen mit Philipp Ther herausgeben werde. Dort kommen die Autoren zu Wort, die wir 2012 zur Konferenz „Homogenising Southeastern Europe. Balkan Wars, Ethnic Cleansing and Postwar Ethnic Engineering since 1912" nach Wien eingladen haben.

 

Alexander Korb studierte Geschichte und Gender Studies an den Berliner Universitäten. Zudem verbrachte er Auslandssemester in Aix-en-Provence, Prag und Voronezh (Russische Föderation). Seine Magisterarbeit zu den Reaktionen der deutschen Bevölkerung auf die Novemberpogrome 1938 wurde mit dem Preis der Stiftung "20. Juli 1944" ausgezeichnet und erschien 2008 als Buch. Im Jahr 2010 promovierte er an der Humboldt-Universität mit einer Arbeit, die 2013 unter dem Titel „Im Schatten des Weltkriegs. Massengewalt der Ustaša gegen Serben, Juden und Roma in Kroatien 1941–1945" 2013 bei der Hamburger Edition erschien und bereits mit fünf Forschungspreisen, darunter dem Fraenkel-Preis der Wiener Library London, ausgezeichnet wurde. Seit 2010 ist Korb Lecturer in Neuester Europäischer Geschichte an der Universität Leicester (GB), und stellvertretender Direktor des dortigen Stanley-Burton-Zentrums für Holocaust- und Genozidstudien.

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