Forschungs-
projekte
Das VWI führt seit Beginn an Forschungsprojekte durch, die aus Drittmitteln finanziert werden. Selbst initiierte, konzipierte und bei nationalen, europäischen und internationalen Fördereinrichtungen eingereichte Vorhaben spielen dabei ebenso eine tragende Rolle wie transnationale Forschungsprojekte. Das Institut ist regelmäßig Konsortialmitglied in bilateralen und internationalen Projekten. Mit seinen Archiven und digitalen Access Points bietet es Forscher:innen erstklassigen Service.
Die eigene Forschung konzentriert sich auf die nachhaltige Nutzbarkeit und digitale Transformation der betreuten Archive sowie auf die Einbindung des VWI und Österreichs in die internationale Holocaustforschung.
Vertreibung – Exil – Emigration
Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) arbeitete bis 2014 an einem Projekt zur Aufarbeitung des Nachlasses der Rechtsanwaltskanzlei Ebner. Dr. Hugo Ebner zählte zahlreiche NS-Verfolgte, die ab 1938 wegen ihrer jüdischen Herkunft (und zum Teil auch aus politischen Gründen) aus Österreich vertrieben wurden, in Wiedergutmachungsfragen zu seinen Mandantinnen und Mandanten. Der Bestand umfasst rund 7.000 Akten, aus denen Einzelheiten der Lebensumstände, Karrieren und Biografien der Betroffenen vor und nach der Vertreibung hervorgehen. Damit können u. a. der soziale Hintergrund, die Brüche in der Biografie infolge des Zwangsexils, die genderspezifischen Aspekte des Überlebens im Zufluchtsland sowie zahlreiche andere wichtige Elemente zur Nachkriegsgeschichte des Exils quantitativ-empirisch beleuchtet, zum Teil rekonstruiert werden.
In Kooperation mit dem DÖW vertiefte das VWI im Ergänzungsprojekt Vertreibung – Exil – Emigration. Die jüdisch-österreichischen NS-Vertriebenen im Spiegel der Auswanderungskartei der IKG Wien durch eine stichprobenartige Auswertung der genannten Kartei und der dazugehörenden, im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien auf Mikrofilm vorhandenen Fragebögen die im DÖW-Projekt gewonnenen Erkenntnisse. Das Vorhaben stellte die bereits vorliegenden Resultate damit auf eine breitere methodische Grundlage. Neu war vor allem die Verknüpfung der quantitativen Ergebnisse mit der Datenbank aus dem Ebner-Projekt des DÖW sowie der ebenfalls vom Dokumentationsarchiv erstellten Datenbank der österreichischen Holocaustopfer – was eine erste Gesamtschau auf Verfolgung, Flucht und Ermordung der jüdischen Österreicherinnen und Österreicher ermöglicht.
Das Projekt wurde von der DÖW-Wissenschafterin Dr. Claudia Kuretsidis-Haider bearbeitet und 2014 abgeschlossen.