Fellows
Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.
Jan
Elantkowski
Die Verbreitung originaler Holocaust-Fotografien und Fotografie als Mittel zur Bewältigung des Holocaust-Traumas in den Werken mittel- und osteuropäischer Künstler im Laufe der Jahrzehnte
Dieses Forschungsprojekt untersucht die Verbreitung von Originalfotografien des Holocaust und deren Verwendung als Mittel zur Auseinandersetzung mit dem Trauma des Holocaust in den Werken mittel- und osteuropäischer Künstler:innen. Während die Auseinandersetzung mit solchen Bildern ein globales Thema ist, liegt der Schwerpunkt hier darauf, wie Künstler:innen aus der Region historische Fotografien integriert und neue Strategien entwickelt haben, um sich mit dem Trauma auseinanderzusetzen. Ausgehend von Fallstudien zu Boris Lurie, einem jüdischen Künstler aus Osteuropa, der sich nach dem Krieg in den Vereinigten Staaten niederließ, untersucht das Projekt seine Werke aus den 1950er- und 1960er-Jahren, in denen er Holocaust-Fotografien mit der amerikanischen Konsumkultur der Nachkriegszeit kombiniert.
Diese Studie berücksichtigt auch frühere Beispiele, wie Władysław Strzemińskis Collagenreihe An meine Freunde, die Juden aus dem Jahr 1945, in der persönliche Kriegserfahrungen mit Holocaust-Bildern verschmelzen. In den späteren Jahrzehnten, beispielsweise den 1980er Jahren und darüber hinaus, untersucht sie Péter Forgács' Verwendung von Originalfilmaufnahmen zur Konstruktion vielschichtiger Erinnerungsnarrative sowie Werke von Elżbieta Janicka, Attila Szűcs und Marcell Esterházy, deren Kunst sich weiterhin mit dem Trauma des Holocaust und seinen anhaltenden Auswirkungen auseinandersetzt.
Jan Elantkowski ist Kunsthistoriker und Kurator in Budapest. Er promovierte an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest und erwarb einen Master-Abschluss in Kunstgeschichte an der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen. Er hat Veröffentlichungen über zeitgenössische Kunst aus Mittelosteuropa und künstlerische Darstellungen von Traumata und dem Holocaust verfasst. Von 2015 bis 2018 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für osteuropäische Kunstgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2018 arbeitet er als Kurator und Kunsthistoriker im Ludwig Múzeum – Museum für zeitgenössische Kunst in Budapest.
jan.elantkowski@vwi.ac.at