Fellows

Durch den laufenden Austausch von Gastforscherinnen und -forschern in Form von Senior-, Research- und Junior-Fellowships, sichert das VWI die laufende Innovation seiner Forschungsagenden. Junge Forscherinnen und Forscher und erfahrene Wissenschafterinnen und Wissenschafter sollen so in einem wechselseitigen Dialog ihre Fragestellungen erarbeiten, die Ergebnisse in Form von Tagungen, Vorträgen und Publikationen der Öffentlichkeit präsentieren und ihr Wissen in laufende Forschungs- und Vermittlungsprojekte einbringen. Auf diese Weise bietet das jährlich ausgeschriebene Fellowship-Programm dem VWI die Chance, die besten und interessantesten Forscherinnen und Forscher unterschiedlichen Alters und aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen aus dem In- und Ausland nach Wien zu holen bzw. temporär an das Institut zu binden, ohne deren akademische oder sonstige Karrieren zu unterbrechen. Ziel des Programms ist es, durch eine breite Streuung des regionalen Hintergrunds, der methodischen Zugänge und die Mischung der akademischen Disziplinen die Diversität des Programms zu sichern.

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Bogdan
Chiriac

Gerda Henkel – Research Fellow
10/2025 - 03/2026

Petitionen gegen die Ungerechtigkeit

Der Widerstand der Rom:nja in Transnistrien während des Holocaust

Dieses Forschungsprojekt untersucht die verschiedenen Arten von Petitionen, die von deportierten Rom:nja als Reaktion auf staatlich geförderte Gewalt und Verfolgung in Rumänien zwischen 1942 und 1944 eingereicht wurden. Dabei soll die Handlungsfähigkeit gewöhnlicher Roma-Männer und -Frauen in den Vordergrund gerückt werden, indem von der traditionellen historischen Erzählung abgewichen wird, die sie auf die Rolle passiver Opfer der Verfolgung reduzierte. Vielmehr werden ihre Petitionen als mutige, aber vergebliche Versuche betrachtet, das autoritäre Antonescu-Regime, das 1942 ihre Deportation initiierte, zu beeinflussen.

Insgesamt werden die Roma-Petent:innen als aktive Akteur:innen betrachtet, die zwar Verfolgung ausgesetzt, aber nicht völlig entrechtet waren und diese Bitten nutzten, um eine Form von Hilfe oder Rechtsmittel zu suchen sowie gegen das zu protestieren, was sie als Ungerechtigkeiten empfanden. Auf der Grundlage von Archivquellen und Zeugenaussagen von Holocaust-Überlebenden wird dieses Projekt diese Bitten in den größeren Kontext von Petitionen während des Krieges einordnen und ihren Wert als Mittel neu bewerten, mit dem verfolgte Minderheiten ihre Beschwerden zum Ausdruck brachten und Missstände anprangerten, wobei sie sich der Risiken bewusst waren, die mit der Infragestellung der staatlichen Politik in undemokratischen Regimen während des Zweiten Weltkriegs verbunden waren.

Bogdan Chiriac ist ein unabhängiger Forscher aus Rumänien, der auf dem Gebiet der modernen und zeitgenössischen rumänischen Geschichte tätig ist. Er erhielt seinen B.A. in Geschichte (2005) von der Alexandru Ioan Cuza Universität in Iași. Er absolvierte sein Postgraduiertenstudium an der Central European University in Budapest, wo er seinen M.A. in Nationalismusstudien (2008) und seinen Ph.D. in Vergleichender Geschichte (2017) erwarb. Er war an mehreren Forschungsprojekten beteiligt, die sich mit Holocaust-Studien, den Prozessen gegen Kriegsverbrecher im Rumänien der Nachkriegszeit und der Geschichte der Roma in Rumänien befassten.