Archiv
Das Archiv des VWI betreut neben seinem institutseigenen Archiv auch mehrere Sammlungen. Dazu gehört das Archiv des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes (Simon Wiesenthal Archiv) aus den ehemaligen Büros Simon Wiesenthals in Linz und Wien. Seit 2018 sind die holocaustbezogenen historischen Bestände des Archivs der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) Wien als Leihgabe im VWI untergebracht und nutzbar. Das Archiv übernimmt laufend Vor- oder Nachlässe von Personen, die sich mit dem Holocaust oder dessen Erforschung beschäftigt haben, sowie kleinere Sammlungen mit Holocaust-Bezug. Vor Ort können die Videointerviews des Austrian Heritage Archive (AHA), des Fortunoff Video Archive for Holocaust Testimonies, die Interview-Sammlung „Final Account: Third Reich Testimonies“, die Interviews der USC Shoah Foundation sowie des Videoarchivs der Refugee Voices genutzt werden.
Refugee Voices
Als erste Einrichtung in Österreich bietet das Vienna Wiesenthal Institute (VWI) Zugang zu den Interviews des Londoner Oral-History-Projekts Refugee Voices. Initiiert wurde dieses Projekt 2003 von der britischen Association of Jewish Refugees (AJR), einer 1941 von jüdischen Flüchtlingen gegründeten Wohltätigkeitsvereinigung. Ziel war es, jüdischen Flüchtlingen vor dem NS-Regime soziale und finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen.
Das von Anthony Greenville und Bea Lewkowicz geleitete Team produzierte inzwischen mehr als 300 Videointerviews mit in Großbritannien lebenden jüdischen Emigrant:innen, ehemaligen Zwangsarbeiter:innen und Holocaust-Überlebenden. Die auf Englisch geführten Interviews, die insgesamt mehr als 600 Stunden dauern, wurden von der AJR aufbereitet, um sie Forscher:innen uns Interessierten zugänglich zu machen. Alle Interviews wurden transkribiert und mit Timecodes versehen, was ein einfaches Auffinden der entsprechenden Stellen in den Videos ermöglicht. Die umfangreiche Datenbank enthält einen Index aller Interviews sowie weitere Informationen zum Lebenslauf der Interviewten. Die Videos können bereits vor einem Besuch im VWI über eine Datenbank nach Namen und Stichworten online durchsucht werden. Zwei digitale Karten ermöglichen die gezielte Auswahl von Interviews nach Geburts- und Emigrationsorten.