TAGUNG: 7.–8. JUNI 2006
THE LEGACY OF SIMON WIESENTHAL FOR HOLOCAUST STUDIES


Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften

Veranstaltungsort: IFK, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Donnerstag, 8. Juni, 16:00 Uhr
 
Bertrand Perz

Das Wiesenthal-Memorandum und die Frage nach der österreichischen Verantwortung für die NS-Verbrechen
 
Die Frage nach der österreichischen Verantwortung für die NS-Verbrechen wird in der Regel entlang der Frage nach dem österreichischen Anteil an den NS-Tätern diskutiert. Die seit 1945 dazu bezogenen Positionen reichen von der Negierung einer österreichischen Mitwirkung bis zur Feststellung eines extrem überproportionalen Anteils österreichischer Täter, weniger von Täterinnen.
Relevanz bezieht die Debatte über die österreichische Beteiligung vor allem durch ihre innen- wie außenpolitische Bedeutung für die Republik. Affirmation oder Kritik an der These von Österreich als dem ersten Opfer des Nationalsozialismus werden nicht zuletzt unter Bezugnahme auf diese Frage argumentiert. Charakteristisch für viele Debattenbeiträge ist ihre politische Instrumentalisierung und gleichzeitige Ferne zu methodischen und theoretischen wissenschaftlichen Überlegungen. So ist ein Kennzeichen fast aller Beiträge die generalisierende Aussage auf Basis der - überdies oft empirisch fragwürdigen - Analyse einzelner Tätergruppen.
Zu diskutieren ist, ob vor dem Hintergrund sowohl der zwischen 1938 und 1945 weitgehend vollzogenen Integration Österreichs in das Deutsche Reich als auch der Arbeitsteiligkeit nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und der damit verbundenen Problematik von Täterdefinitionen jenseits juristischer Kategorien aus einer geschichtswissenschaftlichen Perspektive die Frage nach einem „österreichischen Anteil“ in dieser generellen Form überhaupt beantwortet werden kann.
Vor diesem Hintergrund soll das, in erster Linie auf eine effektivere österreichische Strafverfolgung von NS-Verbrechen zielende Wiesenthal-Memorandum von 1966 einer kritischen Würdigung unterzogen werden.
 
 
Curriculum Vitae, Publikationen
 
Bertrand Perz, Univ.-Doz. Dr. phil., Historiker, Universitätsdozent am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, Mitglied der Historikerkommission der Republik Österreich, Vorstandsmitglied des Vereins Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Vorstandsmitglied des Vereins Wiener Wiesenthal Institut. Forschungsschwerpunkte: Nationalsozialistisches Herrschaftssystem, Kriegswirtschaft, Konzentrationslager und Holocaust, NS-Besatzungspolitik, Gedenkstätten

Projekt Quarz. Steyr-Daimler-Puch und das Konzentrationslager Melk (Wien, 1991); gem. mit Thomas Sandkühler, „Auschwitz und die ‚Aktion Reinhard’ 1942-45. Judenmord und Raubpraxis in neuer Sicht“, in: Zeitgeschichte 26 (1999) 5, 283-316; gem. mit Clemens Jabloner u.a., Schlußbericht der Historikerkommission der Republik Österreich. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich. Zusammenfassungen und Einschätzungen (= Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission, Bd. 1) (Wien-München, 2003); gem. mit Florian Freund und Mark Spoerer, Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen auf dem Gebiet der Republik Österreich 1939 – 1945 (Wien, 2004); Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen 1945 bis zur Gegenwart (Innsbruck, 2006).