Wiener
Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften
Veranstaltungsort: IFK, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien
Dieser
Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen
und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Die
Frage nach der österreichischen Verantwortung für die NS-Verbrechen
wird in der Regel entlang der Frage nach dem österreichischen Anteil
an den NS-Tätern diskutiert. Die seit 1945 dazu bezogenen Positionen
reichen von der Negierung einer österreichischen Mitwirkung bis
zur Feststellung eines extrem überproportionalen Anteils österreichischer
Täter, weniger von Täterinnen.
Relevanz bezieht die Debatte über die österreichische Beteiligung
vor allem durch ihre innen- wie außenpolitische Bedeutung für
die Republik. Affirmation oder Kritik an der These von Österreich
als dem ersten Opfer des Nationalsozialismus werden nicht zuletzt unter
Bezugnahme auf diese Frage argumentiert. Charakteristisch für viele
Debattenbeiträge ist ihre politische Instrumentalisierung und gleichzeitige
Ferne zu methodischen und theoretischen wissenschaftlichen Überlegungen.
So ist ein Kennzeichen fast aller Beiträge die generalisierende
Aussage auf Basis der - überdies oft empirisch fragwürdigen
- Analyse einzelner Tätergruppen.
Zu diskutieren ist, ob vor dem Hintergrund sowohl der zwischen 1938
und 1945 weitgehend vollzogenen Integration Österreichs in das
Deutsche Reich als auch der Arbeitsteiligkeit nationalsozialistischer
Gewaltverbrechen und der damit verbundenen Problematik von Täterdefinitionen
jenseits juristischer Kategorien aus einer geschichtswissenschaftlichen
Perspektive die Frage nach einem „österreichischen Anteil“
in dieser generellen Form überhaupt beantwortet werden kann.
Vor diesem Hintergrund soll das, in erster Linie auf eine effektivere
österreichische Strafverfolgung von NS-Verbrechen zielende Wiesenthal-Memorandum
von 1966 einer kritischen Würdigung unterzogen werden. |
Bertrand
Perz, Univ.-Doz. Dr. phil., Historiker, Universitätsdozent
am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, Mitglied der Historikerkommission
der Republik Österreich, Vorstandsmitglied des Vereins Dokumentationsarchiv
des österreichischen Widerstandes, Vorstandsmitglied des Vereins Wiener
Wiesenthal Institut. Forschungsschwerpunkte: Nationalsozialistisches
Herrschaftssystem, Kriegswirtschaft, Konzentrationslager und Holocaust,
NS-Besatzungspolitik, Gedenkstätten
Projekt Quarz. Steyr-Daimler-Puch und das Konzentrationslager Melk (Wien,
1991); gem. mit Thomas Sandkühler, „Auschwitz und die ‚Aktion Reinhard’
1942-45. Judenmord und Raubpraxis in neuer Sicht“, in: Zeitgeschichte
26 (1999) 5, 283-316; gem. mit Clemens Jabloner u.a., Schlußbericht
der Historikerkommission der Republik Österreich. Vermögensentzug während
der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich.
Zusammenfassungen und Einschätzungen (= Veröffentlichungen der Österreichischen
Historikerkommission, Bd. 1) (Wien-München, 2003); gem. mit Florian
Freund und Mark Spoerer, Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen auf
dem Gebiet der Republik Österreich 1939 – 1945 (Wien, 2004); Die KZ-Gedenkstätte
Mauthausen 1945 bis zur Gegenwart (Innsbruck, 2006). |