TAGUNG: 7.–8. JUNI 2006
THE LEGACY OF SIMON WIESENTHAL FOR HOLOCAUST STUDIES




Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften

Veranstaltungsort: IFK, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Mittwoch, 7. Juni, 14:30 Uhr  
   

Isabel Heinemann

Humangenetik und Regionalplanung statt Rasse
und Raum: Die Rasseexperten der SS in der Nachkriegsgesellschaft

 
   
Die so genannten Rasseexperten der SS aus dem Rasse- und Siedlungshauptamt der SS (RuSHA) waren eine Gruppe von Sozialingenieuren, die als Theoretiker und Praktiker für die ethnische Umstrukturierung des besetzten Europa im Zweiten Weltkrieg verantwortlich zeichneten. Im Rahmen der nationalsozialistischen „Germanisierungspolitik“ planten sie Umsiedlungsaktionen und führten diese auch durch. Vor allem aber wählten sie mithilfe eines rassenanthropologischen Klassifikationsverfahrens diejenigen volksdeutschen und nichtdeutschen Menschen aus, denen – qua rassischer „Wertigkeit“ – ein Platz im „germanischen Europa“ zugestanden wurde. In ihren Rassegutachten über zwangsvertriebene Polen, osteuropäische Zwangsarbeiter und „fremdvölkische Kinder“ entschieden sie nicht selten über Leben und Tod, immer jedoch über individuelle Schicksale.
Der Beitrag möchte die Expertengruppe zunächst kollektivbiographisch verorten: Wer waren diese Männer, welche Ausbildung hatten sie durchlaufen, welche Funktionen übten sie während des Krieges aus? Darauf aufbauend stellt sich die Frage, wie diese Gruppe von überzeugten Rassisten den Übergang in die westdeutsche und österreichische Nachkriegsgesellschaft erlebte: Gab es relevante Anstrengungen zur Strafverfolgungen und wurden die Angeklagten tatsächlich verurteilt? Schließlich sollen exemplarische Nachkriegskarrieren erörtert werden, um zu demonstrieren, wie den ehemaligen Rasseexperten der Übergang in die zivile Nachkriegsgesellschaft gelang und inwiefern es Rückzugsräume für rassistisches Denken gab, etwa in akademischen Disziplinen wie der Humangenetik und der Anthropologie.
 
   
   
Curriculum Vitae, Publikationen  
   
Isabel Heinemann, Dr., ist seit 2002 wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Freiburg. 1993-1996 Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, der Mittleren Geschichte und der Neueren Deutschen Literaturgeschichte an der Universität Freiburg; 1997-2001 Promotion in Geschichte an der Universität Freiburg; 1999 Sommer-Stipendium am Center for Advanced Holocaust Studies am United States Holocaust Memorial Museum, Washington D.C; 2004-2006 Konzeption einer Ausstellung zum „Generalplan Ost“ für die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Erforschung der Geschichte der DFG im Nationalsozialismus (Eröffnung 27.9.2006).

“Another Type of Perpetrator: The SS Racial Experts and Forced Population Movements in the Occupied Regions”, in: Holocaust and Genocide Studies 15,3 (2001). S. 387-411; "Rasse, Siedlung, deutsches Blut": Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas (Göttingen, 2003); „‚Wiedereindeutschungsfähig’ oder ‚unerwünschter Bevölkerungszuwachs’. Die Bedeutung der ‚Rassenauslese’ in der nationalsozialistischen Umsiedlungspolitik“, in: Diehl, Paula (Hg.): Körperbilder und Körperpraxen im Nationalsozialismus (erscheint 2006); „‚Deutsches Blut’: Die Rasseexperten der SS und die Volksdeutschen“, in: Kochanowski, Jerzy / Sach, Maike (Hg.): Die "Volksdeutschen" in Polen, Frankreich, Ungarn und der Tschechoslowakei. Mythos und Realität, Einzelveröffentlichungen des DHI Warschau, 12 (erscheint 2006); Herausgeberin gemeinsam mit Patrick Wagner, Wissenschaft, Planung, Vertreibung: Neuordnungskonzepte und Umsiedlungspolitik im 20. Jahrhundert (Stuttgart, 2006).

 
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