TAGUNG: 7.–8. JUNI 2006
THE LEGACY OF SIMON WIESENTHAL FOR HOLOCAUST STUDIES




Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften

Veranstaltungsort: IFK, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Mittwoch, 7. Juni, 15:30 Uhr
 
Christian Gerlach

Das nationalsozialistische Österreich als 'extrem gewalttätige Gesellschaft'
 
In extrem gewalttätigen Gesellschaften werden verschiedene Bevölkerungsgruppen Opfer massiver physischer Gewalt, an der – neben öffentlichen Organen – diverse soziale Gruppen aus einer Vielzahl von Gründen teilnehmen. Dieses neue Konzept unterscheidet sich vom vorherrschenden Genozidmodell durch weniger Fokus auf den Staat oder eine bestimmte Opfergruppe. Es wird hier auf Österreich zwischen 1938 und 1945 angewandt, um Mechanismen der Verdrängung in Fachkreisen bekannter Fakten und ihre allmähliche Aufweichung durch die historiographischen Debatten der letzen Jahrzehnte hindurch neu zu beleuchten. Das Scheitern der Wiesenthal-Denkschrift von 1966 zum Zwecke der Mobilisierung der Öffentlichkeit dient dabei zur Demonstration des Spannungsverhältnisses zwischen der breiten Beteiligung von Österreichern an der NS-Gewalt und der auf weitaus harmloseren Annahmen beruhenden öffentlichen Wahrnehmung. Staats- und Holocaustzentrierung hatten dabei erheblichen Anteil.
 
 
Curriculum Vitae, Publikationen
 
Christian Gerlach, Asst. Prof., is an Assistant Professor, Department of History, University of Pittsburgh, after having taught at the University of Freiburg, the University of Maryland at College Park, and the National University of Singapore. He has worked on Nazi German extermination policies and comparative mass violence. His current projects are “Extremely violent societies: Mass violence in the 20th century” and “Making the village global: The change of international development policy during the World Food Crisis, 1972-75”.

Kalkulierte Morde: Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941-1944 [Calculated Murder: The German Economic and Extermination Policy in Byelorussia] (Hamburg 2000, 3rd ed.); Krieg, Ernährung, Völkermord: Forschungen zur deutschen Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg [War, Food, Genocide: Studies on the German Extermination Policies in the Second World War] (Zurich/Munich, 2001, 2nd ed.); with Götz Aly, Das letzte Kapitel: Der Mord an den ungarischen Juden 1944–1945 [The Last Chapter: The Murder of Hungarian Jews, 1944–1945] (Frankfurt, 2004, 2nd ed.).

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