TAGUNG: 7.–8. JUNI 2006
THE LEGACY OF SIMON WIESENTHAL FOR HOLOCAUST STUDIES

Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften

Veranstaltungsort: IFK, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Mittwoch, 7. Juni, 17:00 Uhr
 
Peter Black

Handlanger der Endlösung: Die Trawniki-Männer und
die Aktion Reinhard 1941-1943
 
1941 wurde der in Österreich geborene SS- und Polizeiführer Odilo Globocnik mit der Ausrottung der Juden beauftragt, die im “Generalgouvernement” wohnten. Im Rahmen dieser „Aktion Reinhard“ haben die deutsche SS und die Polizei ungefähr 1,7 Millionen Juden ermordet. Obwohl das Ziel der Aktion Reinhard bereits bei den Nürnberger Prozessen bekannt war, gibt es immer noch vieles, was wir darüber nicht wissen, z. B. wissen wir wenig über die im Lager Trawniki ausgebildeten Wachmannschaften, die sowohl als Wacheinheiten in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor, und Treblinka II dienten als auch an den Deportationen aus den Ghettos im deutschbesetzten Polen beteiligt waren. Simon Wiesenthal hat die betroffenen Nachkriegsregierungen stets aufgefordert – auch die Regierungen Österreichs und der USA –, durch rigorose und juristisch korrekte Ermittlung von NS-Tätern die Vergangenheit zu bewältigen und Bewusstsein für die schrecklichen Konsequenzen menschlicher Intoleranz wach zu halten.
Durch die Forschungsarbeit des OSI des US-Justizministeriums – einer Dienststelle, die zum Teil von dieser Herausforderung inspiriert wurde – erhielt man schließlich Zugang zu den Personal- bzw. Verwaltungsakten des Ausbildungslagers Trawniki und konnte somit Licht auf die Rolle der Trawniki-Männer im reibungslosen Ablauf der Aktion Reinhard werfen. Aus diesem Grund soll auch die Geschichte der Trawniki-Männer auf Basis dieser Akten Schwerpunkt meines Referats sein.
 
 
Curriculum Vitae, Publikationen
 
Peter Black, Dr., ist seit 1997 Leiter der Historikerabteilung am United States Holocaust Memorial Museum. Zwischen 1978 und 1997 war er zunächst als Historiker und später als Chefhistoriker in der Dienststelle für Sonderermittlungen (Office of Special Investigations) in der Strafabteilung des US-Justizministeriums tätig. Diese Dienststelle ist zuständig für die Ermittlung von angeblichen NS-Tätern, die sich in den USA befinden. 1950 geboren, erwarb Peter Black 1981 an der Columbia-Universität den Doktortitel in deutscher- und osteuropäischer Geschichte. Von 1990 an hielt er Kurse in osteuropäischer Geschichte und der Geschichte des NS-Regimes an der George Mason-Universität in Virginia.

Ernst Kaltenbrunner. Vasall Himmlers: Eine SS-Karriere (1991); „Rehearsal for ‘Reinhard’? Odilo Globocnik and the Lublin Selbstschutz”, in Central European History (1993); „Central Intent or Regional Inspiration?: Recent German Approaches to the Holocaust”, in Central European History (2000); „Indigenous Collaboration in the Government General: The Case of the Sonderdienst”, in Constructing Nationalities in East Central Europe, herausgegeben von Pieter Judson and Marsha Rozenblit (2004); „Die Trawniki-Männer und die ‘Aktion Reinhard’”, in “Aktion Reinhardt”: Der Völkermord an den Juden im Generalgouvernement, 1941-1944, herausgegeben von Bogdan Musial (2004).