Wiener
Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften
Veranstaltungsort: IFK, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien
Dieser Vortrag wurde live auf
dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Für
Sozialdemokraten im Exil unterschied sich die Judenpolitik der Nazis
nicht von früheren Manifestationen antisemitischer Kampagnen:
Sie war schlichtweg ein Instrument der Unterdrückung im Dienste
des Kapitalismus, der hinter der Fassade des Antisemitismus seine wahren
Absichten verbarg – die Zerschlagung der demokratischen Institutionen.
Im Hinblick auf die unmittelbaren Anlässe für die antisemitischen
Wellen im Dritten Reich führte die sozialdemokratische Presse
unterschiedliche Interpretationen an. Einige bezeichneten die antijüdische
Politik als den Blitzableiter eines Regimes, das gemachte Versprechen
nicht einlösen konnte und sich aus ökonomischen Schwierigkeiten
herauswinden mußte. Andere waren der Ansicht, daß die Gründe
auf Konflikten zwischen Parteimitgliedern beruhen, die ihre Machtpositionen
ausbauen wollen. Doch egal welche Interpretationen auch vorgebracht
wurden, der Antisemitismus als ein eigenständiger Themengegenstand
wurde ignoriert und lediglich als eine Politik aufgefaßt, die
das Bedürfnis eines Regimes reflektiert, das auf der Suche nach
einem Feindbild ist.
Die Stellung der Konservativen im Exil gibt die Kritik jener wieder,
die Juden offensichtlich verteidigten, aber dennoch ernsthaft verlangten,
daß sie
bereitwillig ihrer Gruppenidentität entsagen und verschwinden sollten.
Auf diese Weise stellt ihre Konzeption des Antisemitismus eine Kontinuität
der ideologischen Tendenzen des 19. Jahrhunderts dar, die die Ablehnung
des jüdischen Partikularismus hervorbrachten.
Während die Haltung der exilierten Sozialisten und Konservativen zur
Judenfrage eine Kontinuität ideologischer Tendenzen aufweist, zeigt
sich eine Änderung in der kommunistischen Position: Die Anerkennung
und Unterstützung der Forderungen der zionistischen Bewegung, einen
jüdischen Staat in Palästina zu gründen.
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David
Bankier, Ph.D., Incumbent of the Jonah Machower Chair of
Holocaust Studies at the Institute of Contemporary Jewry, The Hebrew
University of Jerusalem; Incumbent of the John Najmann Chair of Holocaust
Studies; Head of the International Institute for Holocaust Research
at Yad Vashem.
Co-author, Fragen zu Liechtenstein in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg:
Flüchtlinge, Vermögenswerte, Kunst, Rüstungsproduktion (Zürich,
2005); Editor, The Jews Are Coming Back. The return of the Jews to their
countries of origin after WWII (New York and Oxford, 2005); Editor, Intelligence
and the Holocaust (New York, 2006); Editor, Karl Jaspers, The Guilt Question
(Jerusalem, 2006).
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