TAGUNG: 7.–8. JUNI 2006
THE LEGACY OF SIMON WIESENTHAL FOR HOLOCAUST STUDIES



Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien
Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien
IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften

Veranstaltungsort: IFK, Reichsratsstraße 17, 1010 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Mittwoch, 7. Juni, 10:00 Uhr  
   
David Bankier

Antinazi Exiles’ Reactions to Antisemitism and the Holocaust
 

Für Sozialdemokraten im Exil unterschied sich die Judenpolitik der Nazis nicht von früheren Manifestationen antisemitischer Kampagnen: Sie war schlichtweg ein Instrument der Unterdrückung im Dienste des Kapitalismus, der hinter der Fassade des Antisemitismus seine wahren Absichten verbarg – die Zerschlagung der demokratischen Institutionen. Im Hinblick auf die unmittelbaren Anlässe für die antisemitischen Wellen im Dritten Reich führte die sozialdemokratische Presse unterschiedliche Interpretationen an. Einige bezeichneten die antijüdische Politik als den Blitzableiter eines Regimes, das gemachte Versprechen nicht einlösen konnte und sich aus ökonomischen Schwierigkeiten herauswinden mußte. Andere waren der Ansicht, daß die Gründe auf Konflikten zwischen Parteimitgliedern beruhen, die ihre Machtpositionen ausbauen wollen. Doch egal welche Interpretationen auch vorgebracht wurden, der Antisemitismus als ein eigenständiger Themengegenstand wurde ignoriert und lediglich als eine Politik aufgefaßt, die das Bedürfnis eines Regimes reflektiert, das auf der Suche nach einem Feindbild ist.
Die Stellung der Konservativen im Exil gibt die Kritik jener wieder, die Juden offensichtlich verteidigten, aber dennoch ernsthaft verlangten, daß sie bereitwillig ihrer Gruppenidentität entsagen und verschwinden sollten. Auf diese Weise stellt ihre Konzeption des Antisemitismus eine Kontinuität der ideologischen Tendenzen des 19. Jahrhunderts dar, die die Ablehnung des jüdischen Partikularismus hervorbrachten.
Während die Haltung der exilierten Sozialisten und Konservativen zur Judenfrage eine Kontinuität ideologischer Tendenzen aufweist, zeigt sich eine Änderung in der kommunistischen Position: Die Anerkennung und Unterstützung der Forderungen der zionistischen Bewegung, einen jüdischen Staat in Palästina zu gründen.

 
   
   
Curriculum Vitae, Publikationen  
   
David Bankier, Ph.D., Incumbent of the Jonah Machower Chair of Holocaust Studies at the Institute of Contemporary Jewry, The Hebrew University of Jerusalem; Incumbent of the John Najmann Chair of Holocaust Studies; Head of the International Institute for Holocaust Research at Yad Vashem.

Co-author, Fragen zu Liechtenstein in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg: Flüchtlinge, Vermögenswerte, Kunst, Rüstungsproduktion (Zürich, 2005); Editor, The Jews Are Coming Back. The return of the Jews to their countries of origin after WWII (New York and Oxford, 2005); Editor, Intelligence and the Holocaust (New York, 2006); Editor, Karl Jaspers, The Guilt Question (Jerusalem, 2006).
 
 
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