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FILMPRÄSENTATION UND DISKUSSION: 14. OKTOBER 2007, 12.30 - 24.00 UHR
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Ein außergewöhnliches, bisher nicht veröffentlichtes Filmdokument
aus dem Jahr 1975 erlebte im Österreichischen Filmmuseum seine erste Kinopräsentation.
Der Filmemacher Claude Lanzmann drehte im Zuge der Arbeit an seinem epochalen Werk "Shoah"
in Rom ein langes und beeindruckendes Gespräch mit dem Wiener Rabbiner Benjamin Murmelstein
(1905–1989). Im Zentrum stand Murmelsteins ambivalente Rolle als hochrangiger jüdischer
Funktionär der von Eichmann kontrollierten Israelitischen Kultusgemeinde
Wien in der NS-Zeit und als „Judenältester“ des Ghettos Theresienstadt.
Das Material fand keinen Eingang in "Shoah" und liegt im United States Holocaust Memorial Museum
ungeschnitten vor. Gezeigt wurden jene rund fünf Stunden des über elfstündigen „Film-Gesprächs“, die Benjamin Murmelsteins Zeit in Wien betreffen. Zu erleben war ein scharfsinniger, hochgebildeter Mann, der sich selbst als „der letzte der Ungerechten“ bezeichnete. Seine Kooperation mit den NS-Behörden wurde nach 1945 weithin als Skandal empfunden. Zu Beginn hat Claude Lanzmann in einem Publikumsgespräch über seine Filmarbeit mit Benjamin Murmelstein berichtet. Zwischen der zweiteiligen Präsentation des Filmdokuments fand ein Podiumsgespräch zum historischen Hintergrund statt. Eine gemeinsame Veranstaltung des Österreichischen Filmmuseums mit dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien, in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, dem Jüdischen Museum Wien und dem United States Holocaust Memorial Museum, mit Unterstützung der Wissenschafts- und Forschungsförderung der Stadt Wien (MA 7). Teile des Filmmaterials waren bis 28. Oktober im Rahmen der Ausstellung „Ordnung muss sein - Das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien“ im Jüdischen Museum zu sehen (www.jmw.at).
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Sonntag
Film: Teil 1
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INTERVIEW MIT BENJAMIN MURMELSTEIN (1975)
Konzept und Realisation: Claude Lanzmann. Farbe, 306 min Dt. OF Gezeigt mit Genehmigung des US Holocaust Memorial Museum und Yad Vashem, the Holocaust Martyrs and Heroes' Remembrance Authority, Jerusalem Der Holocaust aus der Perspektive der jüdischen Funktionäre: "Instanzen der Ohnmacht" hat Doron Rabinovici sie genannt. Als "Marionette, die selber die Fäden ziehen musste", sah der umstrittenste von ihnen sich selbst. Gershom Scholem und Hannah Arendt waren sich einig, dass Benjamin Murmelstein den Tod durch den Strang verdient hätte. Auswanderung und Deportation sind die zwei Seiten einer Medaille, die das Vexierbild des ehemaligen Leiters der Auswanderungsabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und einzigen Überlebenden "Judenältesten" eines NS-Ghettos trägt. Auf Claude Lanzmanns insistierende Fragen antwortet ein gelehrter, intellektuell reflektierter Grenzgänger zwischen Leben und Tod, der seine Erzählung mit Orpheus und Eurydike einleitet und die ihm zugedachte Rolle als Werkzeug der NS-Politik analysiert. Einführende Worte vor Teil 1: Raye Farr, Direktorin der Filmabteilung des United States Holocaust Memorial Museum Zu Beginn der Veranstaltung findet ein Publikumsgespräch mit Claude Lanzmann statt. Für die beiden Filmteile um 15 und 21 Uhr sind Kaufkarten nötig. Das Gespräch findet bei freiem Eintritt statt (Zählkarten an der Abendkassa). PODIUMSGESPRÄCH: INSTANZEN DER OHNMACHT Ein Gespräch mit Pierre Genée (Wien), Anna Hájková (Prag/Toronto), Doron Rabinovici (Wien) und Ingo Zechner (Wien) zu Benjamin Murmelsteins Zeit in Wien und Theresienstadt sowie zu Claude Lanzmanns und Pierre Genées Interviews - letzter hat 1989 ein langes Gespräch mit Benjamin Murmelstein geführt. Österreichisches Filmmuseum: www.filmmuseum.at |
FAZ, 6. Dezember, 2007: "Der Letzte der Ungerechten"
Profil, 20. Oktober 2007: "Zwischen Hammer und Amboss"
Falter, 16. Oktober 2007: "Lanzmanntag"
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Fotonachweis: Sissi Makovec |
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Österreichisches Filmmuseum: Claude Lanzmann