Ort: Österreichisches Filmmuseum, 1010 Wien, Augustinerstrasse 1
(im Gebäude der Albertina)
Ein außergewöhnliches, bisher nicht veröffentlichtes Filmdokument
aus dem Jahr 1975 erlebte im Österreichischen Filmmuseum seine erste Kinopräsentation.
Der Filmemacher Claude Lanzmann drehte im Zuge der Arbeit an seinem epochalen Werk "Shoah"
in Rom ein langes und beeindruckendes Gespräch mit dem Wiener Rabbiner Benjamin Murmelstein
(1905–1989). Im Zentrum stand Murmelsteins ambivalente Rolle als hochrangiger jüdischer
Funktionär der von Eichmann kontrollierten Israelitischen Kultusgemeinde
Wien in der NS-Zeit und als „Judenältester“ des Ghettos Theresienstadt.
Das Material fand keinen Eingang in "Shoah" und liegt im United States Holocaust Memorial Museum
ungeschnitten vor.
Gezeigt wurden jene rund fünf Stunden des über elfstündigen „Film-Gesprächs“,
die Benjamin Murmelsteins Zeit in Wien betreffen. Zu erleben war ein scharfsinniger, hochgebildeter
Mann, der sich selbst als „der letzte der Ungerechten“ bezeichnete. Seine Kooperation
mit den NS-Behörden wurde nach 1945 weithin als Skandal empfunden.
Zu Beginn hat Claude Lanzmann in einem Publikumsgespräch über seine Filmarbeit mit
Benjamin Murmelstein berichtet. Zwischen der zweiteiligen Präsentation des Filmdokuments
fand ein Podiumsgespräch zum historischen Hintergrund statt.
Eine gemeinsame Veranstaltung des Österreichischen Filmmuseums mit dem Wiener Wiesenthal Institut
für Holocaust-Studien, in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, dem Jüdischen
Museum Wien und dem United States Holocaust Memorial Museum, mit Unterstützung der Wissenschafts-
und Forschungsförderung der Stadt Wien (MA 7).
Teile des Filmmaterials waren bis 28. Oktober im Rahmen der Ausstellung „Ordnung muss sein.
Das Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien“ im Jüdischen Museum zu sehen
(www.jmw.at).
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Sonntag 14. Oktober
Gespräch mit Claude Lanzmann:
12.30 Uhr
Freier Eintritt
Film: Teil 1
15 Uhr
167 min
Film: Teil 2
21.00 Uhr
139 min
Sonntag
14. Oktober
19-20.30 Uhr
Freier Eintritt
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INTERVIEW MIT BENJAMIN MURMELSTEIN (1975)
Konzept und Realisation: Claude Lanzmann. Farbe, 306 min Dt. OF
Gezeigt mit Genehmigung des US Holocaust Memorial Museum und Yad Vashem,
the Holocaust Martyrs and Heroes' Remembrance Authority, Jerusalem
Der Holocaust aus der Perspektive der jüdischen Funktionäre: "Instanzen der Ohnmacht"
hat Doron Rabinovici sie genannt. Als "Marionette,
die selber die Fäden ziehen musste", sah der umstrittenste von ihnen sich selbst.
Gershom Scholem und Hannah Arendt waren sich einig, dass Benjamin Murmelstein den Tod
durch den Strang verdient hätte. Auswanderung und Deportation sind die zwei Seiten
einer Medaille, die das Vexierbild des ehemaligen Leiters der Auswanderungsabteilung
der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und einzigen Überlebenden "Judenältesten" eines
NS-Ghettos trägt. Auf Claude Lanzmanns insistierende Fragen antwortet ein gelehrter,
intellektuell reflektierter Grenzgänger zwischen Leben und Tod, der seine Erzählung
mit Orpheus und Eurydike einleitet und die ihm zugedachte Rolle als Werkzeug der NS-Politik
analysiert.
Einführende Worte vor Teil 1: Raye Farr,
Direktorin der Filmabteilung des United States Holocaust Memorial Museum
Zu Beginn der Veranstaltung findet ein Publikumsgespräch mit Claude Lanzmann
statt. Für die beiden Filmteile um 15 und 21 Uhr sind Kaufkarten nötig. Das Gespräch findet
bei freiem Eintritt statt (Zählkarten an der Abendkassa).
PODIUMSGESPRÄCH: INSTANZEN DER OHNMACHT
Ein Gespräch mit Pierre Genée (Wien), Anna Hájková (Prag/Toronto), Doron Rabinovici
(Wien) und Ingo Zechner (Wien) zu Benjamin Murmelsteins Zeit in Wien und Theresienstadt
sowie zu Claude Lanzmanns und Pierre Genées Interviews - letzter hat 1989 ein langes
Gespräch mit Benjamin Murmelstein geführt.
Österreichisches Filmmuseum: www.filmmuseum.at
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PRESSESPIEGEL
Falter, 16. Oktober 2007: "Lanzmanntag"
Profil, 20. Oktober 2007: "Zwischen Hammer und Amboss"
FAZ, 6. Dezember, 2007: "Der Letzte der Ungerechten"
Österreichisches Filmmuseum: Claude Lanzmann
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