DOKUMENTATION |
Die übriggebliebenen Dokumente der Enteignung, Vertreibung und Vernichtung sind heute auf verschiedene Archive verteilt, von denen wesentliche Teile im Wiener Wiesenthal Institut räumlich zusammengeführt werden sollen.
Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien
Mit ihren Beständen in Wien und Jerusalem verfügt die Israelitische
Kultusgemeinde Wien über das umfangreichste und vielfältigste Archiv
einer europäischen jüdischen Gemeinde überhaupt. Aktenmaterialien
aus drei Jahrhunderten dokumentieren die Geschichte der Wiener jüdischen
Gemeinde und ihrer Mitglieder bis in die Gegenwart. Einen Schwerpunkt bilden
die Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Archiv des Dokumentationszentrums des Bundes jüdischer Verfolgter des
Naziregimes (Simon Wiesenthal Archiv)
Simon Wiesenthal hinterlässt eine umfangreiche Dokumentation mit rund
8.000 Akten zu NS-Tätern und NS-Verbrechen. Die Akten enthalten Wiesenthals
Korrespondenz mit Justiz- und Dokumentationsstellen, mit Organisationen von
Überlebenden und Widerstandskämpfern sowie mit Informanten. Einen
weiteren Schwerpunkt bilden Gerichtsakten, NS-Dokumente, Zeugenaussagen und
Presseberichte. Zahlreiche Dokumente zu Simon Wiesenthals Auseinandersetzung
mit der österreichischen Innen- und Außenpolitik sowie Manuskripte
für Reden und Publikationen sind Zeugnisse seines Engagements gegen das
Vergessen.
Eine enge Zusammenarbeit ist mit dem Dokumentationsarchiv des Österreichischen
Widerstandes geplant, welches über eine bedeutende Quellensammlung
zu Widerstand und Verfolgung, Exil, NS-Verbrechen, NS- und Nachkriegsjustiz,
sowie Rechtsextremismus nach 1945 verfügt.
Zusammenführung als Chance
Die Errichtung des Wiener Wiesenthal Instituts bietet die einmalige Chance einer räumlichen Zusammenführung zahlreicher zum Teil noch unerschlossener Archivbestände. Ihre Aufbereitung für die Forschung ermöglicht zum Beispiel die Rekonstruktion von 10.000en Einzelschicksalen und das fundierte Studium der räumlichen Verteilung und sozialen Schichtung der jüdischen Bevölkerung Wiens. Mechanismen von Verfolgung, Enteignung, Vertreibung und Vernichtung können erforscht werden.
Zum Beispiel: Der Fall Salomon K.
In der Auswanderungsabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde wurden
im Jahr 1938 alle jüdischen Familien erfasst, die aufgrund der
nationalsozialistischen Verfolgung ihren Entschluss angemeldet hatten,
das Deutsche Reich zu verlassen. Einem Bericht der Israelitischen
Kultusgemeinde ist zu entnehmen, dass sich bis Ende 1938 über 43.000
Familien mit insgesamt über 118.000 Personen angemeldet haben. Die
Auswanderungsfragebögen und zugehörigen Karteikarten enthalten u.a. ihr
Geburtsdatum, ihre Wohnadresse, ihre Staatsbürgerschaft, ihren Beruf und
ihre Verwandtschaftsverhältnisse. Es handelt sich um einen der
umfangreichsten geschlossenen Bestände zu personenbezogenen Daten
österreichischer Juden überhaupt.
Die Geschichte der Familie Salomon K. steht exemplarisch für all jene
anderen, die sich heute nur noch aus Bruchstücken zusammenfügen lassen.
Die Dokumente sind Teile von umfangreichen Archivbeständen, die im Wiener
Wiesenthal Institut räumlich zusammengeführt werden sollen. Das Foto von
Salomon K. aus der Erkennungsdienstlichen Kartei der GESTAPO Wien wurde im
Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes elektronisch erfasst.
Weiter zum Fall Salomon K.
Links:
Download: Fotoarchiv: Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien
Download: Fotoarchiv: Simon Wiesenthal Archiv
Weiter zur Homepage: Simon Wiesenthal Archiv
Weiter zur Homepage: USHMM ("Preserving and Rebuilding the Archive of the Jewish Community Vienna")