HOLOCAUST STUDIES TAGUNG
ARBEIT UND VERNICHTUNG




Arbeiterkammer Wien
Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien

Veranstaltungsort: Grosser Saal AK-Bildungszentrum, Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Freitag, 29. Juni, 10:00 Uhr  
   
Christian Streit [play video]

Die Arbeitsausbeutung und Massentötung sowjetischer Kriegsgefangener

 

Die rücksichtslose Ausbeutung der sowjetischen Nahrungsressourcen zugunsten der deutschen Bevölkerung war eines der wichtigsten Kriegsziele. Der Hungertod "viele[r] 10 Millionen Menschen" wurde dabei einkalkuliert. Das Massensterben, dem allein bis Frühjahr 1942 mehr als zwei Millionen sowjetische Gefangene zum Opfer fielen, war Folge der ansatzweisen Umsetzung dieser Ziele.

Zwischen dem Schicksal der Juden und dem der sowjetischen Kriegsgefangenen gibt es enge Verbindungen. Die Befehle zur Ermordung der Politkommissare, der kommunistischen Funktionäre und aller Juden unter den Gefangenen trugen dazu bei, das Klima zu schaffen, in dem die Entscheidung für den Völkermord an den Juden möglich wurde. Die NS-Führung wollte ursprünglich keinen Arbeitseinsatz dieser Gefangenen in der deutschen Wirtschaft. Sie sollten als Sklavenarbeiter z.B. für den Straßenbau im „Ostreich" dienen. Die Entscheidung für ihren Einsatz in der deutschen Wirtschaft Ende Oktober 1941 führte zwar zu etwas höheren Rationen und zum Ende des epidemischen Massensterbens im Frühjahr 1942. Da der Ernährungsstandard der deutschen Bevölkerung nicht angetastet werden sollte, lag die Sterblichkeit der sowjetischen Gefangenen bis Kriegsende ganz erheblich über der aller anderen Kriegsgefangenen, sie stieg gegen Kriegsende erneut an. Obwohl erkannt wurde, dass die niedrige Arbeitsleistung der Gefangenen Folge der Mangelernährung war, setzte die deutsche Führung, ideologischen Prinzipien folgend, bis zum Ende auf ein Mehr an Zwang, um höhere Leistungen zu erreichen.

 
   
   
Curriculum Vitae  
   

Christian Streit, Dr., geb. 1942, ist Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission zur Überprüfung der Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“; Studium der Geschichte und der Anglistik an der Universität Heidelberg und am Dartmouth College, Hanover, N.H., USA;
1975 – 2005 Gymnasiallehrer; 1977 Promotion an der Universität Heidelberg.

Forschungsschwerpunkte: Der Krieg gegen die Sowjetunion und der Holocaust.

Publikationen (Auswahl)

- Ostkrieg, Antibolschewismus und “Endlösung”. In: Geschichte und Gesellschaft, 17 (1991), S. 242-255
- Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941 – 1945. Stuttgart, 1978. 4. Aufl. Bonn, 1997
- Angehörige des militärischen Widerstands und der Genozid an den Juden im Südabschnitt der Ostfront, in: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.), NS-Verbrechen und der militärische Widerstand gegen Hitler. Darmstadt, 2000, S. 90-103
- Deutsche und sowjetische Kriegsgefangene, in: Wolfram Wette / Gerd R. Ueberschär (Hrsg.), Kriegsverbrechen im 20. Jahrhundert. Darmstadt, 2001, S. 178-192

 
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