HOLOCAUST STUDIES TAGUNG
ARBEIT UND VERNICHTUNG




Arbeiterkammer Wien
Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien

Veranstaltungsort: Grosser Saal AK-Bildungszentrum, Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Freitag, 29. Juni, 14:00 Uhr  
   
Andrea Löw [play video]

„Unser einziger Weg ist Arbeit“: Zwangsarbeit und Überlebensstrategien im Ghetto am Beispiel Łódź
 

Im September 1942 deportierten die Nationalsozialisten knapp 16.000 Kinder, alte und kranke Menschen aus dem Getto  Łódź/Litzmannstadt nach Kulmhof. Dies war das vorläufige Ende der im Januar 1942 begonnenen Deportationen in das Vernichtungslager. Danach lebten noch knapp 90.000 Juden im Getto, die fast alle „arbeitsfähig“ waren: Die nicht arbeitenden Menschen waren in den Tod deportiert, dafür waren im Zuge der Ghettoauflösungen im Warthegau fast 18.000 „arbeitsfähige“ Juden in das Ghetto Łódź gebracht worden. Dieses war nunmehr ein reines Arbeitsghetto.
Der Judenälteste Mordechai Chaim Rumkowski hatte von Anfang an versucht, das Ghetto  Łódź durch die Arbeitskraft der eingeschlossenen Menschen für die deutschen Machthaber unentbehrlich zu machen. Sein Motto „Unser einziger Weg ist Arbeit“ hatte mit dem Beginn des Massenmordes eine grundlegend neue Bedeutung bekommen. Die Arbeit bedeutete nunmehr nicht mehr nur eine Rettung vor dem Hungertod, sondern zusätzlich die einzige Möglichkeit, der Deportation in die Vernichtung zu entgehen.
Diese Wahrnehmung hatte nicht nur der umstrittene Judenälteste. Oskar Rosenfeld etwa kommentierte die Anordnung des Leiters der deutschen Ghettoverwaltung, dass die Arbeit in den Fabriken nach Beendigung der Deportationen am 14. September 1942 wieder aufzunehmen sei: „Biebow Kundmachung: ‚Die nunmehr anerkannten Arbeitskräfte’, d.h. die Arbeitenden sind geschützt und werden ausreichend ernährt“.
Die im Ghetto Łódź eingeschlossenen Menschen hatten die Hoffnung, durch Arbeit zu überleben, und tatsächlich bestand das Ghetto bis zum Sommer 1944. Doch dann deportierten die Nationalsozialisten über 70.000 Juden nach Auschwitz-Birkenau.

 
   
   
Curriculum Vitae, Publikationen  
   

Andrea Löw, Dr., geb. 1973, seit 2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen; seit 2005 verantwortliche Redakteurin für den Bereich „Geschichte“ beim Wissenschaftlichen Literatur Anzeiger; 1993-2005 Studium und Promotion an der Ruhr-Universität Bochum (Geschichte, Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften); 1993-2001 Redakteurin der Zeitschrift „SACHOR. Zeitschrift für Antisemitismusforschung, jüdische Geschichte und Gegenwart“; Leitung mehrerer Studienfahrten in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau; Koordination eines trinationalen Projekts im Westfälischen Landesmedienzentrum in Münster zur Erstellung der dreisprachigen Website „Jüdisches Leben in Europa jenseits der Metropolen“.

Forschungsschwerpunkte: Geschichte des Holocaust, vor allem der Ghettos in den besetzten polnischen Gebieten, insbesondere des G(h)ettos Litzmannstadt/Łódź ;

Publikationen (Auswahl)

- Wir wissen immer noch nicht, was wir machen sollen. Juden in Krakau unter deutscher Besatzung bis zur Errichtung des Ghettos. In: Andrea Löw/Kerstin Robusch/Stefanie Walter (Hrsg.): Deutsche – Juden – Polen. Geschichte einer wechselvollen Beziehung im 20. Jahrhundert. Frankfurt am Main/New York, 2004, S. 119-136
- Zwischen Untergang und Selbsthilfe. Juden im Kreis Radzyń während des Zweiten Weltkrieges. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 8 (2005), S. 716-735
- Nur dass niemand wusste, ob und wann diese ‚Zeitung’ irgend jemand liest. Die Edition der Lodzer Gettochronik. In: Inter Finitimos. Jahrbuch zur deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte 3 (2005), S. 146-155
- Juden im Getto Litzmannstadt. Lebensbedingungen, Selbstwahrnehmung, Verhalten. Göttingen, 2006

 
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