HOLOCAUST STUDIES TAGUNG
ARBEIT UND VERNICHTUNG




Arbeiterkammer Wien
Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien

Veranstaltungsort: Grosser Saal AK-Bildungszentrum, Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Freitag, 29. Juni, 16:30 Uhr  
   
Eleonore Lappin [play video]

Zwangsarbeit und Todesmärsche ungarischer Jüdinnen und Juden in Österreich
 

Für Sozialdemokraten im Exil unterschied sich die Judenpolitik der Nazis nicht von früheren Manifestationen antisemitischer Kampagnen: Sie war schlichtweg ein Instrument der Unterdrückung im Dienste des Kapitalismus, der hinter der Fassade des Antisemitismus seine wahren Absichten verbarg – die Zerschlagung der demokratischen Institutionen. Im Hinblick auf die unmittelbaren Anlässe für die antisemitischen Wellen im Dritten Reich führte die sozialdemokratische Presse unterschiedliche Interpretationen an. Einige bezeichneten die antijüdische Politik als den Blitzableiter eines Regimes, das gemachte Versprechen nicht einlösen konnte und sich aus ökonomischen Schwierigkeiten herauswinden mußte. Andere waren der Ansicht, daß die Gründe auf Konflikten zwischen Parteimitgliedern beruhen, die ihre Machtpositionen ausbauen wollen. Doch egal welche Interpretationen auch vorgebracht wurden, der Antisemitismus als ein eigenständiger Themengegenstand wurde ignoriert und lediglich als eine Politik aufgefaßt, die das Bedürfnis eines Regimes reflektiert, das auf der Suche nach einem Feindbild ist.
Die Stellung der Konservativen im Exil gibt die Kritik jener wieder, die Juden offensichtlich verteidigten, aber dennoch ernsthaft verlangten, daß sie bereitwillig ihrer Gruppenidentität entsagen und verschwinden sollten. Auf diese Weise stellt ihre Konzeption des Antisemitismus eine Kontinuität der ideologischen Tendenzen des 19. Jahrhunderts dar, die die Ablehnung des jüdischen Partikularismus hervorbrachten.
Während die Haltung der exilierten Sozialisten und Konservativen zur Judenfrage eine Kontinuität ideologischer Tendenzen aufweist, zeigt sich eine Änderung in der kommunistischen Position: Die Anerkennung und Unterstützung der Forderungen der zionistischen Bewegung, einen jüdischen Staat in Palästina zu gründen.

 
   
   
Curriculum Vitae  
   

Eleonore Lappin, Dr., geb. 1951 in Wien, seit 1989 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts für Geschichte der Juden in Österreich und Lehrbeauftragte an der Karl- Franzens Universität Graz und an der Leopold Franzens Universität Innsbruck; studierte deutsche, englische und vergleichende Literaturwissenschaften in den USA und in Israel; unterrichtete 1982–1986 deutsche Sprache und Literatur an der Universität Tel Aviv und an der Hebräischen Universität von Jerusalem.

Forschungsschwerpunkte: Jüdische Presse im deutschsprachigen Raum; Autobiographien jüdischer Österreicher/innen; jüdische Intellektuelle in der Ersten Republik; Zionismus; Juden und Film; österreichische Erinnerungskultur an NS-Verbrechen; ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter/innen in Österreich 1944/45 und die gerichtliche Verfolgung der gegen sie verübten Verbrechen.

Publikationen (Auswahl)

- Von der Heimstätte zum Judenstaat: Die Darstellung des Aufbaus des jüdischen Palästina in der Wiener zionistischen Presse 1928–1938. In: Susanne Marten-Finnis, Markus Winkler (Hg.), Die jüdische Presse im europäischen Kontext 1686-1990. Bremen 2006 (=Die jüdische Presse - Kommunikationsgeschichte im europäischen Raum, Bd. 1; zugleich: Presse und Geschichte - Neue Beiträge, Bd. 21), S. 209-222
- Jüdische Lebensgeschichten. Erinnertes Leben – Erzähltes Gedächtnis. Reihe: Juden in Mitteleuropa, Ausgabe 2006
- Pädagoge, Psychoanalytiker, Psychologe und Marxist. Siegfried Bernfeld (1892–1953), in: Sabine Hering (Hg.), Jüdische Wohlfahrt im Spiegel von Biographien (= Schriften des Arbeitskreises „Geschichte der Jüdischen Wohlfahrt in Deutschland”, Bd. 2, hg. von Sabine Hering, Gudrun Maierhof, Ulrich Stascheit). Frankfurt/Main 2006, S. 84–100

 
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