HOLOCAUST STUDIES TAGUNG
ARBEIT UND VERNICHTUNG




Arbeiterkammer Wien
Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien

Veranstaltungsort: Grosser Saal AK-Bildungszentrum, Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Donnerstag, 28. Juni, 15:00 Uhr  
   
Florian Freund [play video]

Roma, Sinti, „Zigeuner“:
Ausgrenzung, Zwangsarbeit und Vernichtung

 

„Obwohl es sich hier um unständig beschäftigte Zigeuner handelt, die weder vorbestraft noch arbeitsscheu sind oder in anderer Weise der Allgemeinheit zur Last fallen“ weil „ein Zigeuner als außerhalb der Volksgemeinschaft stehend stets asozial ist“. Mit diesen Worten schlug der Gauleiter der Steiermark Uiberreuter vor, Zwangsarbeitslager für als „Zigeuner“ stigmatisierte Personen einzurichten. Mit dem „Anschluss“ Österreichs hatte die seit 1933 eskalierte Verfolgungspolitik gegen diese Gruppe eine neue Dynamik gefunden. Die NS-Verfolgungspolitik gegen so genannte „Zigeuner“ folgte einem bekannten Schema: Definition, Konzentration, Deportation. Dabei spielte die Frage nach Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit, Zwangsarbeit und Ersetzbarkeit der Arbeitskraft der Betroffenen eine wichtige Rolle.

Die Verhaftungswellen gegen arbeitsfähige „Zigeuner“ und „Zigeunerinnen“ von 1938 und 1939 in Österreich lösten jene Dynamik aus, die zur Ermordung eines Großteils der österreichischen und deutschen „Zigeuner“ führte. Tatsächlich waren es die durch die NS-Behörden selbst geschaffenen „Probleme“, die als Beweis für „Asozialität“ der „Zigeuner“ und die in der Folge als Begründung für die Einrichtung von Zwangsarbeitslagern für so genannte „Zigeuner“ und später für deren „Abschaffung“ „in den Osten“ dienten. Die Polizeibehörden in Deutschland wie in Österreich folgten ihrer eigenen Logik. Sie wollten alle jene loswerden, die jemals als „Zigeuner“ registriert worden waren, ohne auf die Definitionen der „Rasseforscher“ zu achten.

 
   
   
Curriculum Vitae  
   

Florian Freund, Univ.-Doz. Dr., ist Univ.-Lektor an den Universitäten Wien, Klagenfurt, Frankfurt/Oder. Seit 1981 Mitarbeit in Forschungsprojekten am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, seit 2000 Mitglied der Redaktion der Zeitschrift „Zeitgeschichte“ und der Gesellschaft für Zeitgeschichte, Studium der Geschichte in Salzburg, Graz und Wien, 1987 bis 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, 1997 Research Fellow am US Holocaust Memorial Museum in Washington D.C.; 1999 bis 2002 Mitarbeiter der österreichischen Historikerkommission.

Forschungsschwerpunkte: Kriegswirtschaft, Zwangsarbeit, Konzentrationslager, Holocaust, Verfolgungspolitik gegen „Zigeuner“.

Publikationen (Auswahl)

- Arbeitslager Zement. Das Konzentrationslager Ebensee und die Raketenrüstung. Wien, 1989
- Vertreibung und Ermordung. Zum Schicksal der österreichischen Juden 1938 – 1945 (gem. mit Hans Safrian)
- Das Projekt „Namentliche Erfassung der österreichischen Holocaustopfer", hg. vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. Wien 1993
- Der polizeilich – administrative Zigeunerbegriff. Ein Beitrag zur Klärung des Begriffes „Zigeuner“. In: Zeitgeschichte 2 (2003), S. 76 – 90
- Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen auf dem Gebiet der Republik Österreich 1939 – 1945. Wien, 2004 (gem. mit Bertrand Perz und Mark Spoerer)
- Vermögensentzug, Restitution und Entschädigung der Roma und Sinti, Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigung seit 1945 in Österreich, Band 23/2. Wien-München, 2004 (gem. mit Gerhard Baumgartner, Harald Greifeneder)
- Die Burgenland Roma 1945 – 2000. Eisenstadt, 2004 (gem. mit Gerhard Baumgartner)

 
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