HOLOCAUST STUDIES TAGUNG
ARBEIT UND VERNICHTUNG




Arbeiterkammer Wien
Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien

Veranstaltungsort: Grosser Saal AK-Bildungszentrum, Theresianumgasse 16-18, 1040 Wien

Dieser Vortrag wurde live auf dieser Website übertragen und ist im Videoarchiv abrufbar.
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Freitag, 29. Juni, 15:00 Uhr  
   
Gustavo Corni [play video]

Zwangsarbeit in den osteuropäischen Ghettos aus der Sicht der Opfer
 

Der Beschluss der nationalsozialistischen Behörden, die Juden in die Ghettos einzusperren, basierte auf der Voraussetzung, dass sehr schnell endgültig über ihr Schicksal entschieden werden würde. Die Verzögerung und der Mangel an klaren Bestimmungen aus Berlin führten zu einer intensiven Debatte innerhalb der lokalen Verwaltungen: Sollte man die Ghettos ihrem Schicksal überlassen und darauf vertrauen, sie würden einfach zugrunde gehen, oder sollte man aus ihren Arbeitskräften und ihren wirtschaftlichen Ressourcen Profit schlagen, um die Kriegsanstrengungen zu unterstützen?

In vielen Fällen wurden in den Ghettos Produktionsstrukturen eingerichtet, die deutschen Firmen übergeben oder den Gemeinden überlassen wurden. Ein Teil der Arbeitskräfte wurde auch zur Zwangsarbeit außerhalb der Ghettos eingesetzt. Die Interessen der deutschen Behörden deckten sich mit denen der Judenräte, die in der Arbeit zur Unterstützung der deutschen Kriegswirtschaft eine Möglichkeit sahen, einen Teil der jüdischen Gemeinde zu retten oder zumindest Zeit zu gewinnen.

Viele Mitglieder der deutschen Bürokratie hatten Bedenken gegen die Effizienz der Ghettoproduktion. Andererseits wurden den Ghettobewohnern erst durch die Politik ihrer Besatzer materiell und physisch unerträgliche Lebensbedingungen aufgezwungen, die für das niedrige Produktionsniveau verantwortlich waren. Dieser Widerspruch machte objektiv jeden Versuch zunichte, dem Ghetto durch dessen Dienst für die Kriegswirtschaft des Dritten Reichs das Überleben zu sichern.

 
   
   
Curriculum Vitae  
   

Gustavo Corni, Prof. Dr., geb. 1952, Ordinarius für Zeitgeschichte an der Universität Trient und stellvertretender Dekan der Soziologischen Fakultät; Mitglied des wissenschaftlichen Ausschusses des “Istituto storico italo-germanico“; Studium der Politikwissenschaft an der Universität Bologna; Professuren an den Universitäten Chieti, Triest und Trient; 2002 – 2005 Direktor des Instituts für Human- und Sozialwissenschaften, Universität Trient; seit Gründung (2004) Mitglied des Internationalen Graduierten Kollegs „Politische Kommunikation von der Antike bis zu unseren Tagen”; seit 1998 Mitglied des Historischen Graduierten Kollegs, Universität Trient.

Forschungsschwerpunkt: Die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert und komparative Analyse der Diktaturen

Publikationen (Auswahl)

- La politica agraria del nazionalsocialismo 1930-1939. Milano, 1989 (Englisch: Hitler and the Peasants 1930-1939. Oxford, 1990)
- Fascismo e fascismi, Movimenti, partiti e regimi a confronto. Roma, 1989
- Inediti della Grande guerra, Trieste, 1990 (gem. mit E. Bucciol, A. Schwarz)
- Hitler. Una biografia. Teramo, 1993.
- Blut und Boden. Rassenideologie und Agrarpolitik im Staat Hitlers. Idstein, 1994 (gem. mit H. Gies)
- Storia della Germania. Dall'unificazione alla riunificazione. Milano, 1995 (zweite überarbeitete Edition 1999)
- Introduzione alla storia della Germania contemporanea. Milano, 1995
- Brot-Butter-Kanonen. Die Ernährungswirtschaft in Deutschland unter der Diktatur Hitlers. Berlin 1997 (gem. mit H. Gies)
- I ghetti di Hitler. Voci da una società sotto assedio 1939-1944. Bologna, 2001 (Englisch: Hitler’s Ghettos. Voices from a Beleaguered Society. London-New York, 2002; die holländische Übersetzung erscheint 2007)
- Il sogno del “grande spazio”. Le politiche d’occupazione nell’Europa nazista. Rom, 2005

 
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